Archiv für die Kategorie „Vorbereitungen Südamerikareise“

Das Abschied nehmen hat begonnen

Sonntag, 12. Dezember 2010

Noch 39 Tage geht es, bis Tatezi und ich nach Sao Paulo fliegen! Und bereits hat das Abschied nehmen begonnen. Dreimal im Jahr treffe ich mich zu einem Brunch mit drei anderen Frauen, so auch vor 10 Tagen. Wir haben viel gelacht, uns unsere Sorgen anvertraut und Gedanken ausgetauscht – kurz es war ein richtig guter Morgen. Bis kurz vor dem Aufbruch. Bis zu dem Moment, als die anderen drei ihre Agenden zückten, um sich zum nächsten Brunch zu verabreden. Der ohne mich stattfinden wird. Da kam schon ein komisches Gefühl in mir hoch, eine Mischung aus unbändiger Vorfreude auf die Reise und ein bisschen Trauer darüber, beim nächsten Frauen-Brunch nicht dabei zu sein. Und mir wurde bewusst, dass aus dem jahrelang gehegten Traum nun Wirklichkeit wird.

Ein paar Tage später kam eine liebe Freundin aus dem Bernbiet angereist, denn sie wollte mich auch noch einmal sehen, bevor wir abreisen. Die Umarmung beim Adieu Sagen fiel diesmal ein bisschen länger aus als üblich, statt der drei in die Luft gehauchten Küsschen drückten wir uns kurz richtig. Mir gingen danach komische Gedanken durch den Kopf: Warum ist das Abschied nehmen so anders, hat so den Anschein von Endgültigkeit, bevor jemand auf eine lange Reise aufbricht? Die Möglichkeit Freunde und Freundinnen nicht mehr wieder zu sehen, ist doch viel grösser bei den zu Hause bleibenden, denn die wenigsten sterben in der Ferne.

Adieu

Tatezi übt fleissig Pfötchen-geben, um sich zu verabschieden.
PS: Die gute Kamera ist immer noch ausgeliehen.

Meine Gedanken kreisen jetzt natürlich fast vor jedem Einschlafen um die Abreise. Und manchmal, ich muss es gestehen, habe ich ein bisschen Bammel. Wenn ich mir vorstelle, dass Tatezi und ich am 20. Januar in einer 11 Millionen Stadt sein werden, deren Sprache ich bis auf ein paar Höflichkeitsfloskeln nicht spreche, bricht mir doch schier der Angstschweiss aus. Es wird das erste Mal in meinem Leben sein, dass ich ganz auf mich alleine gestellt sein werde. Dass ich weder Familie noch Freunde in der Nähe haben werde. Und dann wieder male ich mir aus, wie bereichernd es sein wird, all die neuen Eindrücke aufzunehmen und zu verarbeiten zu versuchen. So vergehen die Stunden schlaflos, heute Morgen habe ich es wieder 04 Uhr schlagen gehört…

Schuhe für Tatezi

Sonntag, 21. November 2010

Noch etwas muss mein Hundemädchen vor der grossen Reise lernen: das Gehen in Schuhen. Schuhe, die ihre Pfoten vor Verletzungen schützen wenn wir über scharfe Steine wandern müssen oder die nach einem Schnitt verhindern, dass sich die Wunde infiziert. Denn sollte sie sich an einer Pfote verletzten, werden wir bestimmt nicht gleich um die Ecke einen Tierarzt finden, der Schuhe für sie hat. Also haben wir welche gekauft, die wir prophylaktisch mitnehmen werden. Diejenigen für die Vorderbeine haben wir schon mal anprobiert:

Schuhe für Tatezi 1
Geduldig, wie Tatezi manchmal sein kann, lässt sie sich die ihr ungewohnten Schuhe anziehen und bleibt sogar ruhig liegen.

Schuhe für Tatezi 2
Die ersten Schritte sind ein wenig wackelig.

Schuhe für Tatezi 3
Doch nach wenigen Minuten stolziert Tatezi mit ihrem Schuhwerk durch die Stube wie ein Model über den Laufsteg.

Vielleicht brauchen wir die Schuhe aber auch, wenn wir einen mit Scherben übersäten Platz überqueren müssen. Zum Beispiel an einem Busbahnhof. Selbstkritisch habe ich mich ob diesem Gedanken gefragt, ob ich eigentlich eine Glucke sei, dass ich mir dermassen Sorge um das Wohlergehen meiner Hündin mache. Meine Tochter hat mich allerdings beruhigt und mir gesagt, dass während der Streetparade sich im Einsatz befindende Polizeihunde ebenfalls Schuhe tragen würden. Denn wo viele Menschen feiern, vor allem wohl Alkohol trinken, gibt es achtlos weggeworfene Flaschen und demzufolge auch Scherben. Hier und vielleicht auch in Südamerika.

Langersehnte, heissbegehrte Spritze

Sonntag, 14. November 2010

Endlich habe ich sie bekommen, die langersehnte Spritze mit der Gelbfieberimpfung. Nein, ich bin keine Masochistin, die nichts lieber hat als sich pieksen zu lassen. Im Gegenteil, ich habe die Schnauze gestrichen voll von den Schmerzen. Um mich gegen Gelbfieber impfen zu können, musste ich während drei Monaten meine Medikamente gegen chronische Polyarthritis absetzten siehe Der Impfmarathon. Anfangs ging es gut, ja, ich hatte bereits frohlockt und geglaubt, die Krankheit überwunden zu haben. Seit fünf bis sechs Wochen jedoch sind die Schmerzen da. Allgegenwärtig. Wecken mich jede Nacht mehrmals aus dem Schlaf auf. Rauben mir so nicht nur meine Ruhe sondern langsam aber sicher auch den Verstand. Denn es lässt sich kaum ein vernünftiger Gedanke fassen, wenn der Schmerz sich ständig in den Vordergrund drängt.

Früher hat man mir immer wieder gesagt, ich hätte einen harten Kopf. Wenn ich mir etwas vorgenommen hätte, dann setzte ich auch alles daran, das in die Tat umzusetzen. Das wird wohl stimmen. Warum sonst würde ich diese Tortur freiwillig ertragen? Ich habe mir nun einmal vorgenommen, in Südamerika die Tropenwälder nicht links liegen zu lassen. Und das geht halt nur mit einer Gelbfieberimpfung. Im Moment erscheint mir allerdings meine geplante Reise so unvorstellbar wie barfuss und ohne Kletterausbildung den Mount Everest besteigen zu wollen.

Noch 8 Tage muss ich warten bis ich meine Medikamente wieder nehmen darf. Bis sie dann ihre volle Wirkung auf mein Immunsystem entwickeln werden, sollte die Impfung angegangen sein. Ich freue mich jetzt schon, bald auch wieder so entspannt wie Tatezi schlafen zu können:

entspannt schlafen

Die Willkür der Versicherungen

Sonntag, 26. September 2010

„Wir beziehen uns auf Ihre Bestellung einer Vacanza Reise- und Ferienversicherung für 12 Monate… Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir auf Grund der Risikoprüfung die von Ihnen beantragte Versicherungsdeckung ablehnen müssen.“ Das war die Antwort, die ich von meiner Krankenkasse Visana auf die Anfrage für eine Langzeitreiseversicherung bekommen habe. Es war wie ein Schlag unter die Gürtellinie, nahm mir den Atem und lähmte mich vorerst. Sollte mein Traum nun wie eine bunte Seifenblase platzen? All die Vorfreude und Planung vergebens gewesen sein? Denn ohne Kranken- und Unfallversicherung im Ausland unterwegs zu sein, das will ich denn doch nicht wagen.

Mir war sofort klar, warum ich für die Krankenkasse offenbar ein zu grosses Risiko darstellte. Weil ich im Antragsformular wahrheitsgetreu angegeben habe, dass ich chronische Polyarthritis habe. Das Wort „chronisch“ lässt bei Versicherungen offenbar alle Warnlampen aufblitzen und führt zu einer Absage, ohne genauer nachzufragen wie denn die aktuelle Situation sei. Dank Medikamenten sind meine Schmerzen meist gut unter Kontrolle und die täglichen Spaziergänge mit Tatezi tragen viel dazu bei, dass ich auch wieder gut zu Fuss bin (Meine Therapiehündin). Aber ich ermüde schnell und kann mich nicht mehr länger als 1 ½ bis zwei Stunden konzentrieren. Soll ich deswegen nur noch zu Hause meine Zeit absitzen?

Wie schon so oft, hat mir ein ausführlicher Spaziergang mit Tatezi geholfen meine Gedanken zu ordnen und einen „Schlachtplan“ zu entwerfen. Wieder zu Hause habe ich bei der Versicherung angerufen, wurde x-Mal weiterverbunden und habe jedes Mal meine Situation erklärt. Habe darauf hingewiesen, dass der behandelnde Rheumatologe Prof. André Aeschlimann nichts gegen die Reise einzuwenden habe und sie gebeten, sich bei ihm zu erkundigen. Und ihm liess ich ausrichten, doch Bitte der Versicherung zu sagen, dass ich kein Risikofall sei.

Foto aus unserem letzten Urlaub

Ein paar Tage später habe ich erneut Post von der Versicherung bekommen: „Nach erneutem Prüfen Ihres Antrages für die Vacanza Langfristversicherung können wir Ihnen mitteilen, dass Sie sich für die gewünschte Zeitdauer von 12 Monaten gemäss unseren Allgemeinen Vertragsbedingen versichern können.“ Mein Freudeschrei war weitherum zu hören. Doch meine Freude wurde getrübt durch den Gedanken, was mit Menschen geschehe, die sich nicht wehren können. Und ich fragte mich: „warum nur muss man sich immer und immer wieder zur Wehr setzen?“

Selbstverständlich hat auch Tatezi eine Versicherung, die für die Kosten von Unfall und Krankheit im Ausland aufkommen würde.

Erste-Hilfe-Kurs für Tierhalter

Sonntag, 19. September 2010

Wissen Sie, wo man bei einem Hund den Puls misst und wie hoch die Frequenz ist? Oder wie oft eine Katze pro Minute ein- und ausatmet? Ich habe es auch nicht gewusst, dabei sind das, wie beim Menschen auch, wichtige Anzeichen, die bei einem Notfall darüber Auskunft geben können, wie ernst die Situation ist. Deshalb war ich auch sehr froh, hat unsere Tierärztin Gaby Scholl einen Kurs in Erste-Hilfe angeboten und habe den gestern besucht.
Was bei meinen Kindern selbstverständlich war, habe ich bei meinen Tieren nie getan, bevor ich bei einem Notfall in der Tierarztpraxis angerufen habe. Ja, ich hatte bis gestern nicht einmal eine Ahnung davon, wie hoch die Puls- und Atemfrequenz und die Körpertemperatur bei ihnen im Normalfall ist. Katzen haben einen Puls von 80 – 180, Hunde von 70 – 120. Gemessen wird er in der Leiste, an der Innenseite des Oberschenkels (Femoralispuls).
Das variiert natürlich von Rasse zu Rasse und ist ebenso vom Trainingszustand und Alter des Tieres abhängig. Auch die Atemfrequenz kann ganz unterschiedlich sein: bei Katzen liegt sie bei 20 – 40 und bei Hunden bei 20 – 50. Um bei einem Notfall zu wissen, wie stark diese Werte vom Normalfall variieren, werde ich heute noch alle meine Tiere einmal darauf hin untersuchen. Fieber messen werde ich ihnen aber jetzt nicht extra; es genügt, dass ich weiss, Hunde haben eine Körpertemperatur von 37,5 bis 39 Grad und bei Katzen liegt sie zwischen 38 und 39,5 Grad.

Puls messen bei Hunden
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Lahmheiten, 1.Hilfe-Kurs 5 Blutungen, Bissverletzungen, Anfälle, Durchfall und Erbrechen gehörten ebenso in den theoretischen Teil wie natürlich auch die immer gefürchtete Magenumdrehung. Von letzterer hört man immer wieder und alle kennen zumindest jemand, der einen Hund daran verloren hat. Gross ist die Unsicherheit, ob man denn erkennen könne, wenn sich beim eigenen Hund der Magen gedreht hätte. Man kann, das weiss ich jetzt auch. Ein betroffener Hund versucht immer wieder erfolglos zu erbrechen und unter Umständen ist eine Blähung des Bauches sichtbar. Dann heisst es, nichts wie ab zum Tierarzt!
Gaby Scholls Hunde sind wirklich geduldige Tiere, das haben sie gestern wieder bewiesen. Denn wie man einen Kopf- oder Pfotenverband korrekt anlegt, das kann man einfach in der Theorie nicht begreifen. Also haben alle Kursteilnehmerinnen an den beiden Labradorhunden üben dürfen. Sie haben nicht einmal reklamiert, als wir ihnen eine Maulschlinge angelegt haben. Die empfiehlt sich bei schwerverletzten Tieren immer, auch bei den eigenen, denn vor lauter Angst und Schmerzen könnten sie auch den Halter beissen. Unterwegs wird wohl kaum jemand den ganzen Verbandskasten bei sich haben. Sowohl für Maulschlinge als auch Verband genügen fürs Erste T-Shirt, Taschentuch oder was auch immer zur Hand ist.

Maulschlinge anlegen

So ein Erste-Hilfe-Kurs hilft auch Geld sparen, wenn man nach einer Verletzung den Verbandswechsel selber machen kann und nicht immer zur Tierärztin fahren muss. Und ich bin froh, diesen Kurs vor meiner Reise absolviert zu haben. Zum einen bin ich einfach sicherer und zum anderen könnte ich ihr zumindest einen Verband anlegen. Was wir hoffentlich nicht brauchen werden.

1.Hilfe-Kurs 3 1.Hilfe-Kurs 4


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