Es war mir ein bisschen zuwider, nach Bolivien zu fliegen, nur um mein Auto nach Chile zu fahren, wo es aus zolltechnischen Gründen bis Mitte November sein muss. Keine Ahnung warum, es ist ja schliesslich mein Auto. Aber das hatte ich mir auf meiner Reise längst abgewöhnt, nach Gründen für bürokratische Vorschriften zu fragen. Deshalb war ich froh um den Tipp der Schweizer Botschaft in Bolivien, die mir riet, es durch einen Fahrer überführen zu lassen und auch gleich einen empfehlen konnte: Aldo Rezzonico, ein Schweizer, der in La Paz Jeeps vermietet.
Wir waren uns schnell einig und Aldo wollte die für die Überführung nötigen Papiere besorgen. Dazu musste ich ihm die Originalautopapiere und eine unterschriebene Fotokopie meines Passes schicken. Eva, die Hotelmanagerin aus Sucre, hat unterdessen noch ihren Anwalt gefragt und von ihm eine Vollmacht aufsetzten lassen, die ich auf der bolivianischen Botschaft beglaubigen lassen sollte. So hatte ich mir gedacht, hätte Aldos Chauffeur zwei Papiere und eines davon würde dann hoffentlich vom Zoll akzeptiert werden. Sicherheitshalber habe ich noch auf der chilenischen Botschaft und dem bolivianischen Konsulat angerufen.
Auf dem chilenischen Konsulat meinte mein Gesprächspartner, das sei ein sehr komplizierter Fall, ich müsse in der Botschaft nachfragen. Dann hat er mir noch viel Glück gewünscht. Ich nehme an, er hat das nicht ironisch gemeint, aber ich hätte wirklich eine grosse Portion Glück gebraucht. Bei der chilenischen Botschaft habe ich gar niemanden erreicht, habe tagelang unzählige Male vergebens angerufen und auch auf meine Mails keine Antwort bekommen. Und auf dem bolivianischen Konsulat war die Dame auch nicht gerade hilfsbereit, sagte bloss immer wieder: „Das ist nicht möglich.“ Auf meine Frage, was ich denn tun könne, damit mein Auto nach Chile komme, antwortete sie: „Werden sie gesund und fahren sie selber.“ Und wenn ich jetzt tot wäre, wollte ich von ihr wissen. Darauf meinte sie: „Das wäre denen vollkommen egal, dann würde ihr Auto eben in Bolivien stehen bleiben.“ Schlussendlich gab sie zu, dass ich es mit einer beglaubigten Vollmacht versuchen könne, aber ohne Garantie, dass die vom Zoll akzeptiert würde.
Unterdessen hat Aldo sich noch auf der chilenischen Botschaft in Bolivien erkundigt. Das Resultat dieser Unterredung bedeutete das „Aus“ für meinen Plan. Denn wie hätte ich wissen sollen, was in einer Vollmacht zu stehen hat, damit diese vom chilenischen Zoll akzeptiert wird? Ausserdem hätte die Vollmacht noch auf der chilenischen Botschaft, dem bolivianischen Konsulat und von einem Notar beglaubigt werden müssen. Dazu reicht die Zeit einfach nicht mehr. Und ich glaube nun der Angestellten, die mir gesagt hat, es sei unmöglich. So fliege ich jetzt selber mit gemischten Gefühlen nach Bolivien: einerseits freue mich meine Freunde in Sucre wieder zu sehen und in Arica noch drei Tage Badeurlaub zu machen, aber mir graut ein bisschen vor der langen Fahrt, ganz alleine, ohne Tatezi.