Archiv für die Kategorie „Südamerikareise“

Das Auto ist gut untergebracht

Montag, 31. Oktober 2011

Es war das erste Mal, dass der Taxifahrer Eric das Meer gesehen hat und entsprechend enthusiastisch war er ob der Weite, dem Geruch, den Geräuschen, der Brandung und den kleinen Muscheln, die er am Strand gefunden hat. Schon um 7 Uhr in der Frühe sind er und seine Schwester, die, vielleicht als Anstands-Wau-Wau, mitgekommen ist, baden gegangen. Denn um 10.15 Uhr fuhr ihr Bus nach La Paz ab. Ich glaube, ich habe in diesen zwei Tagen mehr spanisch gesprochen als während meiner 6-monatigen Reise. War ein befriedigendes Gefühl, fast alles verstanden zu haben. Zumindest dem Sinn nach.

Meine Sorge, nicht genügend Zeit zu haben um einen Abstellplatz für mein Auto zu finden, war unbegründet. In nur zwei Stunden habe sich mir zwei Möglichkeiten aufgetan. Ich hätte den Jeep auf dem Hotelparkplatz stehen lassen können. Und der Garagist, der mein Auto im letzten Frühling mit besseren Stossdämpfern ausgestattet hatte, war auch bereit, das Fahrzeug aufzunehmen. Ich habe mich für den Garagisten entschieden, denn so kann ich sicher sein, dass bei meiner Rückkehr nach Südamerika im nächsten Jahr die Batterie noch funktionieren wird.

Jetzt hatte ich zwei geschenkte Tage. Den einen habe ich genutzt um mir auf einer geführten Tour die Geschichte Aricas anzuhören. Im Museum Arqueólogico San Miguel de Azapa hat es mich tief berührt, die Mumien von Menschen zu sehen, die vor zirka 10‘000 bis 11‘000 Jahren gelebt haben. Eine Frau, ein Mann, ein Kind und ein Ungeborenes. Es sind dies die ältesten bisher gefunden Mumien. Die Knochen waren von allem Fleisch befreit und dann mit Pflanzen umhüllt worden, so dass ihre Gestalt bis in die heutige Zeit erhalten geblieben ist. Natürlich fehlten in dem Museum auch Spuren der Inkas nicht.

Zum Abschluss habe ich mir noch einen faulen Tag mit einem Krimi am Strand gegönnt. Danach konnte ich beruhigt nach Hause fliegen, wissend, dass ich allen Vorschriften gehorcht und mein Auto zur rechten Zeit zurück nach Chile gebracht habe.

Messgeraet der Inkas
Strand in Arica

Wahlen in Bolivien

Dienstag, 25. Oktober 2011

Die höchsten Richter des Landes wurden am letzten Sonntag in Bolivien gewählt. Das bedeutete, dass, wie vor allen Wahlen, von Freitag Nacht um 24 Uhr bis Sonntag Nacht um 24 Uhr kein Alkohol verkauft werden durfte. Ja, sogar in den eigenen vier Wänden war das Trinken alkoholischer Getränke verboten. Das sei, sagte man mir, damit die Wählenden einen klaren Kopf hätten und wüssten wie die Wahlpapiere auszufüllen seien. Auch Touristen sind von diesem Gesetz betroffen und so kam ich nicht mehr in den Genuss, zum Abschied im Hotel nochmals einen Caipirinha zu trinken. Schade, denn es ist der beste, den ich je genossen habe.

Zum Glück habe ich auch noch erfahren, dass am Sonntag, dem eigentlichen Wahltag, das Fahren jeglicher Motorfahrzeuge verboten sei. Was jetzt? Ich wollte doch am Samstag losfahren! Da auch Restaurants und sämtliche Geschäfte geschlossen sein sollten, beschloss ich bis am Montag in Sucre zu bleiben. Denn für Hotels gilt das Verbot nicht. Der Hotelbetrieb war allerdings eingeschränkt, denn viele der Angestellten wohnen zu weit weg, um den Arbeitsplatz zu Fuss erreichen zu können. Die Rezeptsionistin, eine stark übergewichtige Frau, war fix und fertig, als sie zur Arbeit erschienen ist. Drei Kilometer zu Fuss sind bei ihrem Gewicht auch eine grosse Leistung. Aber gut hat es ihr sicher getan.

Wissend, wie langsam alles in Südamerika gehen kann, wurde mir allerdings ein bisschen bange beim Gedanken daran, dass mir jetzt nur noch ein Arbeitstag in Arica, Chile, bleiben würde, um einen Abstellplatz für mein Auto zu finden. Denn für die Fahrt dorthin würde ich vier Tage brauchen. Auf dem Weg zu Monika, wo mein Auto während meinem Heimaturalub stationiert gewesen ist, habe ich Eric, dem Taxifahrer, von meiner Sorge erzählt. Er meinte darauf spontan, er könne mich in zwei Tagen nach Arica fahren. Ich kenne Eric von meinem letzten Aufenthalt in Sucre, denn er ist einer der wenigen Taxifahrer, die wissen wo Monika wohnt. Wir wurden uns schnell einig. Und so konnte ich die lange Fahrt ganz entspannt auf dem Beifahrersitz geniessen und für einmal die Umgebung uneingeschränkt betrachten.

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Oktoberfest in Sucre

Freitag, 21. Oktober 2011

Es war wie beim Domino, wo ein Stein den nächsten umwirft: weil der Flug von New York nach Miami Verspätung hatte, war ich einen Tag später als vorgesehen in La Paz. Dort war das reservierte Hotel unterdessen ausgebucht, ebenso wie der Weiterflug am nächsten Tag nach Sucre. Ich hatte trotzdem Glück, habe ein sauberes Hotel gefunden, das nur einen Bruchteil des reservierten gekostet hat, und einen Platz in der Business Class ergattert. Und in Sucre war das schönste Zimmer des Hotels Kolping jetzt auch vergeben.

Es war wie heimkommen, als ich im Hotel Kolping angekommen bin. Alle haben mich umarmt, Eva die Managerin, die mich schier erdrückt hatte, die Kellner, die Hausmädchen und der Gärtner. Evie, bei der ich fünf Wochen lang einen Spanischkurs besucht hatte, ist auch gleich auf einen Kaffee vorbei gekommen. Dabei habe ich erfahren, dass am nächsten Abend in der Schule, die im deutschen Konsulat untergebracht ist, ein Oktoberfest stattfinden solle. Im Kulturkaffee Berlin, mit Live-Jazz. Da ich diesmal ohne Tatezi reise, habe ich mir die Gelegenheit nicht entgehend lassen, einmal abends auszugehen. Das Publikum war bunt gemischt, Bolivianer/innen, Touristen und Schüler/innen und entsprechend herrschte eine Sprachenvielfalt. Wie in Deutschland gab es Weisswurst, Sauerkraut und natürlich Bier, aber statt Schunkelmusik feurigen Jazz der Gruppe Jazz Manouche.

Wie im Hotel haben mich auch in der Schule viele gefragt, wo denn mein Hund sei. Als ich das Evie erzählt habe, meinte sie: “Du warst ‘die Frau mit dem Hund’ und als solche in der ganzen Stadt bekannt.” Kunststück, in Bolivien geht sehr selten jemand mit seinem Hund spazieren. Und einen wie Tatezi sieht man hier nicht.

Oktoberfest
Oktoberfest

Gestrandet in Miami

Sonntag, 16. Oktober 2011

Da wollte ich doch nach La Paz in Bolivien fliegen. Und wo bin ich gelandet? In Miami. Dort habe ich wegen einer fast zweistündigen Verspätung des Fluges von New York meinen Anschlussflug verpasst. Das gemeine war, dass ich es geschafft hätte, wäre nicht zuletzt nochmals eine Panne aufgetreten: unser Flugzeug konnte nicht andocken. Eine halbe Stunde standen wir ganz kurz vor dem Dock, während vom Nachbardock aus mein Flug in den Nachthimmel abhob. So bin ich 25 Stunden nach meiner Abreise von zu Hause in einem Hiltonhotel untergekommen. Natürlich ohne Koffer und deshalb war mein erster Gedanke: zum Glück habe ich Tatezi nicht dabei. Denn was wäre mit ihr passiert? Wäre sie, wie mein Koffer, irgendwo abgestellt worden?

Mit meinen Wanderschuhen, der Jack Wolfskinhose und -jacke sowie dem kleinen Rucksack sah ich vermutlich ebensowenig wie die üblichen Gäste des Hotels aus wie das französische Paar, das ebenfalls den Anschlussflug verpasst hatte. Als wir uns um 23 Uhr in die Bar setzten um ein verspätetes Abendessen zu uns zu nehmen, lösten wir Gelächter aus und jemand rief: “Seht mal, die Backpackers (Rucksackreisende) kommen!” Als wären wir exotische oder schräge Vögel. Wir haben auch gelacht.

Ich habe die 24 Stunden in Miami erst mal zum Ausschlafen genutzt. Doch dann reichte die Zeit noch gut für einen Strandspaziergang, welchen ich allerdings wegen meiner zugebenermassen hier unpassenden Kleidung kurz hielt. Beim Abflug in der Schweiz war das Wetter sehr kühl und die Prognose für La Paz sah etwa gleich aus. Entsprechend war ich angezogen und die Sommerschuhe waren auch im Koffer. In Miami hingegen herrschten Hochsommertemperaturen. Deshalb habe ich jetzt ein neues T-Shirt, das wie der Hotelaufenthalt inklusive Mahlzeiten und die nötigsten Toilettenartikel von der Fluggesellschaft American Airlines bezahlt wird.

Miami Strand

Kapitulation vor der südamerikanischen Bürokratie

Dienstag, 11. Oktober 2011

Es war mir ein bisschen zuwider, nach Bolivien zu fliegen, nur um mein Auto nach Chile zu fahren, wo es aus zolltechnischen Gründen bis Mitte November sein muss. Keine Ahnung warum, es ist ja schliesslich mein Auto. Aber das hatte ich mir auf meiner Reise längst abgewöhnt, nach Gründen für bürokratische Vorschriften zu fragen. Deshalb war ich froh um den Tipp der Schweizer Botschaft in Bolivien, die mir riet, es durch einen Fahrer überführen zu lassen und auch gleich einen empfehlen konnte: Aldo Rezzonico, ein Schweizer, der in La Paz Jeeps vermietet.

Wir waren uns schnell einig und Aldo wollte die für die Überführung nötigen Papiere besorgen. Dazu musste ich ihm die Originalautopapiere und eine unterschriebene Fotokopie meines Passes schicken. Eva, die Hotelmanagerin aus Sucre, hat unterdessen noch ihren Anwalt gefragt und von ihm eine Vollmacht aufsetzten lassen, die ich auf der bolivianischen Botschaft beglaubigen lassen sollte. So hatte ich mir gedacht, hätte Aldos Chauffeur zwei Papiere und eines davon würde dann hoffentlich vom Zoll akzeptiert werden. Sicherheitshalber habe ich noch auf der chilenischen Botschaft und dem bolivianischen Konsulat angerufen.

Auf dem chilenischen Konsulat meinte mein Gesprächspartner, das sei ein sehr komplizierter Fall, ich müsse in der Botschaft nachfragen. Dann hat er mir noch viel Glück gewünscht. Ich nehme an, er hat das nicht ironisch gemeint, aber ich hätte wirklich eine grosse Portion Glück gebraucht. Bei der chilenischen Botschaft habe ich gar niemanden erreicht, habe tagelang unzählige Male vergebens angerufen und auch auf meine Mails keine Antwort bekommen. Und auf dem bolivianischen Konsulat war die Dame auch nicht gerade hilfsbereit, sagte bloss immer wieder: „Das ist nicht möglich.“ Auf meine Frage, was ich denn tun könne, damit mein Auto nach Chile komme, antwortete sie: „Werden sie gesund und fahren sie selber.“ Und wenn ich jetzt tot wäre, wollte ich von ihr wissen. Darauf meinte sie: „Das wäre denen vollkommen egal, dann würde ihr Auto eben in Bolivien stehen bleiben.“ Schlussendlich gab sie zu, dass ich es mit einer beglaubigten Vollmacht versuchen könne, aber ohne Garantie, dass die vom Zoll akzeptiert würde.

Unterdessen hat Aldo sich noch auf der chilenischen Botschaft in Bolivien erkundigt. Das Resultat dieser Unterredung bedeutete das „Aus“ für meinen Plan. Denn wie hätte ich wissen sollen, was in einer Vollmacht zu stehen hat, damit diese vom chilenischen Zoll akzeptiert wird? Ausserdem hätte die Vollmacht noch auf der chilenischen Botschaft, dem bolivianischen Konsulat und von einem Notar beglaubigt werden müssen. Dazu reicht die Zeit einfach nicht mehr. Und ich glaube nun der Angestellten, die mir gesagt hat, es sei unmöglich. So fliege ich jetzt selber mit gemischten Gefühlen nach Bolivien: einerseits freue mich meine Freunde in Sucre wieder zu sehen und in Arica noch drei Tage Badeurlaub zu machen, aber mir graut ein bisschen vor der langen Fahrt, ganz alleine, ohne Tatezi.

Jeep Compass

Mein Auto – Grund für viel Freude und Ärger


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