Archiv für die Kategorie „Unterwegs“

Abschied

Sonntag, 21. August 2016

Hier schreibt Niklaus, der Sohn von Christine. Ich habe leider eine traurige Nachricht. Christine ist vor zwei Monaten unerwartet an einer Hirnblutung gestorben.
Sie hatte zwar viele körperliche Beschwerden und wollte eines Tages auf diese Art gehen (einschlafen und nicht mehr erwachen), doch ist es viel zu früh passiert.

Vor 1.5 Jahren hat meine Schwester unserer Mutter eine Enkelin geschenkt. Das hat sie enorm gefreut und mit Stolz erfüllt. Hier ist eines der letzten Bilder von Christine zusammen mit Naomi:

Tatezi geht es prima. Meine Schwester und ich kümmern uns gut um sie

Ich bin pensioniert

Sonntag, 20. Juli 2014

Es ist still geworden, im Hundeblog. Tatezi und ich gehen es gemächlicher an, mein Rücken erlaubt mir keine grossen Abenteuer mehr. Seit dieser Woche bin ich pensioniert und nutze diese Gelegenheit, mich von meinen Lesern und Leserinnen hier zu verabschieden. Ich danke Euch für Eure Treue! Ihr habt uns durch Tatezis manchmal stürmische Jugend begleitet und miterlebt, wie aus dem wunderschönen, wilden Welpen eine immer noch wunderschöne, brave und manchmal auch immer noch wilde Hündin geworden ist.

Drei Wochen alt war das kleine Fellknäuel als wir uns kennen gelernt haben

Die Liebe war von Anfang an gegenseitig

Am 07.07.07 betrat Tatezi ihr neues Zuhause

Der Ernst des Lebens hat begonnen, Tatezi in der Welpenschule

Mit Wuschi, ihrem Spielkollegen, den sie gerne foppt, vor dem sie jedoch immer noch Respekt hat

Ihr habt mit uns gelitten, wenn es uns nicht gut ging, wenn Tatezi oder ich Rückenschmerzen hatten, die wir mit Physiotherapie im Wasser zu beheben versucht haben, als sie kastriert wurde oder auch als sie sich zum Beispiel in Südamerika die Pfoten beim Rennen über Steppengras wundgescheuert hat.

„Was haben die bloss mit mir gemacht“, schien sich Tatezi nach der Narkose zu fragen

Mit einem Spielzeug motivierte der Physiotherapeut Tatezi zum Mitmachen

Die grossen Blasen haben wir mit Vitamerfen behandelt und mit einem Verband vor Verschmutzung geschützt

Vielleicht habt Ihr geschmunzelt, als Ihr gesehen habt, wie Tatezi mir beim Buchen geholfen hat? Oder als sie in unserer Runde mitgepokert hat? Oder Ihr habt Euch, wie ich mich auch, gefreut über diese Tierfreundschaft? Söfi ist immer noch Tatezis Lieblingskatze.

Auf unseren beiden grossen Reisen durch Südamerika konntet Ihr unsere Abenteuer mit verfolgen (ich bekomme beim Durchsuchen nach Fotos gleich wieder Fernweh…) und auch in die Bretagne habt Ihr uns ein paar Mal begleitet.

4 Stunden dauerte die Kanufahrt nach San Miguel, das Ausgangspunkt für unseren Ausflug in den Küstennebelwald war

In der Madre Selva Lodge waren wir froh um unsere Mückennetze

Stimmt, die Aussicht ist aus jedem Fenster in Locquémeau toll!

Und jetzt kann ich das Rentnerleben geniessen!

Ich habe mir ein Bild gekauft

Mittwoch, 28. Mai 2014

Ich bewundere das Können der Postautochauffeure! Das wurde mir am Wochenende auf unserer Fahrt nach Bristen bewusst. Auf dem letzten Abschnitt unserer Reise, von Amsteg zum Zielort, schlängelt sich die schmale Strasse zwischen steilen Felswänden und dem Abgrund auf engen Kurven in die Höhe. Manchmal hätte ich nicht meinen Arm zwischen dem Postauto und dem Fels halten wollen. Ich glaube, ich hätte diese Strecke nur mit grösster Mühe mit einem doch um einiges kleineren PW geschafft. Zumindest hat es hier, im Gegensatz zu ähnlichen Strassen die wir in Südamerika befahren haben, ein Geländer als Abschrankung. Auch wenn das vermutlich nur eine psychologische Stütze ist, denn ich bezweifele, dass dieses Geländer im Notfall ein Postauto halten könnte.

Tatezi und ich sind nach Bristen gefahren, weil meine Freundin Francine Progin dort ihre erste Vernissage hatte. Eine Freundin von ihr hatte sich in Bristen ein altes Haus gekauft und es zu einem wahren Bijou umgebaut. Die Einweihung war mit der Ausstellung von Francines Bildern gekoppelt. Nun, ich bin keine Kunstsachverständige, ich kann einfach nur sagen, was ich sah, hat mir sehr gut gefallen. Besonders angetan haben es mir die alten Menükarten. Auf einem Trödlermarkt gefundene Menükarten aus Holz vom Restaurant Guggibad hat Francine auf beiden Seiten mit Acryl bemalt. Jetzt kann man diese Bilder aufstellen oder an die Wand hängen. Ich konnte nicht widerstehen und habe mir so ein Schmuckstück gekauft, das bald neben dem Esstisch hängen wird.

Ein Spaziergang dem Chärstelenbach entlang hat unseren Ausflug ergänzt, damit auch Tatezi ihren Spass hatte, bevor wir wieder mit dem Postauto nach Altdorf fuhren, wo wir übernachteten. Ich war gespannt, ob sich meine Hündin noch erinnert, wie wir es im Hotel immer machen: gleich nach dem Aufstehen gehe ich mit ihr auf einen kurzen Spaziergang, bevor sie im Zimmer ihr Frühstück bekommt. Danach muss sie ruhig alleine im Zimmer bleiben, während ich frühstücken gehe. Kein Problem, mein Mädchen hat noch gewusst, dass sie still warten muss.

Tatezi fährt zur See

Sonntag, 30. Mai 2010

Es war nicht ihre erste Bootsfahrt, die hat sie schon im letzten Sommer auf dem Rhein erlebt (Maibummel 24. Mai 2009). Aber es ist doch etwas ganz anderes, richtig in See zu stechen, auf den Atlantik! Ich hatte einen Sack voller Wurststückchen dabei, um sie allenfalls an Bord zu locken. Wäre nicht nötig gewesen, meine Hündin ist mir ohne zu zögern auf das Schiff gefolgt und hat sich auf dem Oberdeck gleich hingelegt. Zu Beginn der Fahrt hat sie immer wieder leer geschluckt – oh je, können Hunde seekrank werden? Ich habe schon mal in Gedanken meine Taschentücher gezählt. Doch sie hat sich schnell beruhigt und trotz all der Menschen, dem leichten Schaukeln des Bootes und dem Motorenlärm die meiste Zeit der 1 ¼ Stunden dauernden Überfahrt zur Ile de Sein geschlafen. Bei unserer Ankunft war das Licht gespenstisch, der Nebel hing wie ein Schleier über der kleinen Insel.

Nur rund 60ha ist die Ile de Sein gross, an ihrer breitesten Stelle 800m breit und sechs Kilometer lang und ihr höchster Punkt liegt 9m über Meer. Die Menschen, die auf ihr leben, sind seit langer Zeit an ein hartes Leben gewöhnt.

Ihre Existenz ermöglichte ihnen einst der Fischfang. Und da Fische leichter zu fangen sind, je stürmischer die See ist, verlor so mancher Mann sein Leben bei der Ausübung seines Berufes. Ja, man sagt gar, früher hätten die Frauen auf der Insel immer schwarz getragen, da sie ständig in Trauer um einen Verwandten gewesen seien. Auch während dem 2. Weltkrieg bewiesen die Sénans ihre Tapferkeit: Als Charles de Gaulle am 18. Juni 1940 über BBC zu den Franzosen sprach, stachen noch in der gleichen Nacht alle Männer der Insel in See und schlossen sich den Streitkräften des Freien Frankreichs an. Ein kleines Museum auf der Insel erinnert heute an diese mutigen Männer. Es war das erste Museum, das Tatezi besuchen durfte!

Heute lohnt sich der Fischfang nicht mehr, die Inselbewohner leben von den Touristen die täglich mit der Enez Sun von Saint-Evette bei Audierne, an der Pointe Du Raz vorbei, hergebracht werden um in diesem Naturschutzgebiet, in dem viele Seevögel brüten, zu wandern, das Dorf, das laut Wikipedia eines der schönsten Frankreichs ist, zu bestaunen oder unbeschreiblich guten Fisch zu verspeisen.

Auf der Rückfahrt hat sich Tatezi gleich hingelegt und ganz entspannt auf das Meer hinausgeblickt.

Am Pointe du Raz

Sonntag, 23. Mai 2010

Pointe du Raz – auch so ein Ort, wie Machu Picchu, der seit Jahren in meinem Kopf herum spuckt. Ich weiss nicht warum dieser westlichste Punkt von Frankreichs Festland diese Faszination auf mich ausübt. Vielleicht lag der Ursprung davon in gesehenen Bildern von hoch an den schroffen Felsen aufspritzender Gischt? Oder in meiner Fantasie, die mir in jungen Jahren wilde Geschichten von Piraten suggerierte?

Diese Woche war es soweit, ich sollte endlich zum Pointe du Raz kommen. Schon Kilometer davor wurde ich ganz kribbelig, begann die Häuser und ihre Umgebung genauestens zu betrachten. Mir schien, die Häuser wurden kleiner, als ob sie sich wegen der oft heftigen Stürme ducken müssten. Es war ein Tag, wie man ihn sich für Ferien nur wünschen konnte: wolkenloser Himmel, beinahe windstill und angenehm warm. Für Ferien im Allgemeinen, aber nicht für einen Besuch auf der Pointe du Raz. In meinen jahrelangen Vorstellungen tobte an diesem Ort ein Sturm, oder er war zumindest nebelverhangen. Zudem hatte das herrliche Wetter einige andere Touristen angelockt, und auch das widersprach meinen Fantasievorstellungen. Also habe ich auf dem Parkplatz, nur ein paar hundert Meter vor dem Ziel, gewendet und bin zu der Ferme in Plogoff ( fermelebars.com ) gefahren, die für drei Tage mein Zuhause sein sollte. So ist Tatezi zu einer nachmittäglichen Wanderung der Küste entlang gekommen:

Am nächsten Morgen war der Himmel tatsächlich wolkenverhangen. Aber wir sind nicht einfach ins Auto gestiegen und zu dem berühmten Punkt gefahren. Nein, das wäre zu einfach gewesen, hätte nicht gestimmt. So einem Ort musste ich mich zu Fuss nähern. Niemand begegnete uns auf der 1 1/2stündigen Wanderung den Klippen entlang. Die Felsen wurden immer schroffer, der Abgrund war jäh und gefährlich nah am Fussweg. Und plötzlich waren sie da, die westlichsten Felsen von Frankreich:

Ein Schwatz am Gartentor

Sonntag, 16. Mai 2010

Die alte Frau stand breitbeinig in ihrem Garten, in der einen Hand eine Gartenschere haltend und mit der anderen strich sie sich immer wieder verlegen eine Strähne ihres dichten, grauen Haares aus dem Gesicht. Wieder einmal war es Tatezi, die der Anlass für ein Gespräch war. Die Frau lobte das schöne Fell meiner Hündin und darauf gab ein Wort das andere. Sie muss sehr einsam sein, in dem Haus an den Klippen, hat auch keine Freunde die sie besuchen und kann den Garten nicht mehr verlassen. „Wissen sie, warum ich mit der Gartenschere den Rasen schneide? – Damit ich etwas zu tun habe und nicht immer an den Tod denken muss.“ Was soll man darauf antworten? Ich musste allerdings gar nichts sagen, denn sie war so froh, wieder einmal jemanden zu haben der ihr zuhörte, dass sie sofort weiter sprach. Ja, sie sei jetzt schon 91 Jahre alt, habe bis vor drei Jahren in Paris gelebt und sei nach einer grossen Operation von ihren Söhnen in dieses Haus gebracht worden. Vermutlich weil einer ihrer zwei Söhne in St. Brieuc wohnt, was doch ein paar hundert Kilometer näher liegt als Paris. Er bringt ihr einmal in der Woche Lebensmittel.

Ihre Augen, die zu Beginn unseres Gespräches den erloschenen Ausdruck hatten, den man oft bei einsamen Menschen sieht, nahmen zunehmend an Glanz an, je weiter zurück die Erlebnisse lagen, von denen sie mir berichtete. Ja, sie könne verstehen, dass sich ihre Söhne, besonders der eine, nicht viel um sie kümmerten, sie sei vermutlich auch nicht immer die perfekte Mutter gewesen. „Ich habe nie getötet und nicht gestohlen, aber sonst halt schon allerhand gemacht. Es hatte Männer rechts und links. Schöne Männer, oh la, la.“ Jetzt strahlten ihre Augen bei der Erinnerung und ihr ganzes Gesicht wurde durch das Schmunzeln um Jahre jünger. Als sie mir von ihrem Bikini erzählt hat, bewegte sie die Hüften keck dazu und ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie sie die Männer bezirzt hatte. Ein besonderer Höhepunkt in ihrem Leben muss für sie gewesen sein, als sie Brigitte Bardot kennen gelernt hat. Auch ein bekannter Schauspieler, dessen Name ich vergessen habe, war Kunde in dem Autohaus, in dem sie damals gearbeitet hat.

Irgendwann mussten wir weiter, die alte Frau in ihrer Einsamkeit zurücklassend. Ihr Schicksal hat mich bewegt, doch weiss ich nicht, ob ich Mitleid mit ihr haben muss, weil sie jetzt einsam ist, oder ob ich mich mit ihr über ihr reiches Leben freuen soll. Auf unseren täglichen Spaziergängen bleiben wir immer kurz vor ihrem Haus stehen, doch sie ist nicht zu sehen.

PS: Bin nächste Woche ohne PC auf Entdeckungsreise durch die Bretagne.

Im Hotel kommt ein Mann billiger als ein Hund

Sonntag, 14. Februar 2010

Wer hätte das gedacht, dass man sich nach 15 Jahren, mit zwei bis drei jährlichen Fahrten in die Bretagne, auf dieser Strecke noch verfahren kann? Ich habe dieses Kunststück vor 10 Tagen geschafft. Und wie! Habe eine Abzweigung verpasst und bin so nord- statt westwärts gefahren. Nicht so schlimm, habe ich mir gedacht, denn die Bretagne liegt ja auch nördlich der Schweiz. Ich werde schon einen Weg finden, um wieder nach Westen zu gelangen. War eine Schnapsidee, wie ich bald herausgefunden habe. Zwar führen viele Wege nach Westen, doch die Autobahn ist nicht durchgehend, die Strasse sehr schlecht mit vielen Löchern, die Tatezi jedes Mal wenn ich eines erwischt habe hochschrecken liess, und ein Stau hat meine Unlust noch vergrössert. Nebel kam auf und wurde bald von Schnee abgelöst. Mit zunehmender Dunkelheit wuchs meine Angst vor einer vereisten Fahrbahn, ich verkrampfte mich immer mehr hinter dem Steuer, war müde und wollte bald nur noch ein Hotelbett.

In Metz finde ich bestimmt ein günstiges Hotel am Stadtrand, war meine Überlegung bei der Abfahrt von der Autobahn. Doch ich fand mich erst in einem Industriequartier und dann in einer reinen Wohngegend wieder. Und plötzlich war ich wieder auf der Autobahn. Kilometer um Kilometer zog einfach nur Dunkelheit an mir vorbei. Nach zwei weiteren Irrfahrten auf der Suche nach einem Hotel habe ich mich schon geistig darauf vorbereitet, auf einem Rastplatz zu schlafen. Bei Minustemperaturen! Dem Tipp eines Tankwartes habe ich es zu verdanken, dass ich mich dem nicht aussetzen musste.

Also nichts wie rein in die endlich gefundene, warme Stube. Der Mann hinter der Rezeption warf einen kritischen Blick auf Tatezi und begann ein Verhör. „Bellt er?“ „Nein, nein“, meine prompte Antwort. „Kratz er an der Türe?“ – „Nein, nein.“ „Beschmutz er?“ Vermutlich will er wissen ob Tatezi stubenrein ist, dachte ich und antworte ihm auch auf diese Frage: „Nein, nein.“ Dass sie gerade läufig ist, habe ich ihm wohlweislich verschwiegen. Zum Glück trägt sie ihr Höschen auch sehr diskret, es ist bei einem oberflächlichen Blick kaum zu erkennen:

Nun erhob der Mann die Hand und zeigt mit dem Finger himmelwärts. Muss ich jetzt auch noch über meine Religionszugehörigkeit Auskunft geben, schoss es mir durch den Kopf. Nein, der Gute wies nur auf die über seinem Kopf angebrachte Preisliste. Da stand geschrieben:
1 Person 39 Euro pro Nacht
2 Personen 42 Euro pro Nacht
1 Hund 8 Euro pro Nacht
Ich bezahlte die 47 Euros, konnte mir aber ein Grinsen nicht verkneifen beim Gedanken daran, dass ich 5 Euros gespart hätte, wäre ich statt mit Tatezi mit einem Mann unterwegs gewesen. Und: Tatezi hat weder gebellt, noch gekratzt und auch nichts beschmutzt.

Unerfreuliche Begegnung im Restaurant

Montag, 12. Oktober 2009

Mitten im Eingang des Restaurants sass er, dieser fette, alte Hund, dessen Augen ein kaltes Gelb hatten und mit denen er uns unfreundlich entgegen sah. Tatezi zog die Notbremse, ihre vorderen Beine steif und wie auf dem Boden festgeklebt. Ich redete auf sie ein, doch das half nichts. Meine Hündin wollte keinen Schritt mehr weiter gehen. Hinter dem Hund die Serviceangestellte, die mit der Speisekarte winkte und dazu ununterbrochen sagte: „Venez, venez“. Das hätte ich ja gerne getan, denn nach der langen Fahrt auf dem Weg in die Bretagne war ich hungrig und müde. Also machte ich den ersten Schritt und versuchte Tatezi hinter mir her zu ziehen. Aber ein tiefes, böses Knurren aus dem Rachen des alten Hundeherrn bremste mich sogleich. Mir dämmerte, dass meine Hündin wieder einmal schlauer als ich gewesen war und die Gefahr vor mir erkannt hatte! Die Serviceangestellte warf einen unsicheren, hilfesuchenden Blick zum Hundehalter, doch der liess sich drei Metern entfernt beim Essen nicht stören. Eine Raumunterteilung hat ihn vor meinem Blick verborgen, und einfach so laut in das Restaurant hinein rufen, das mochte ich nicht. Schliesslich bückte sich die Frau und wollte den Hund am Halsband zur Seite ziehen. Das hätte sie besser nicht getan und nur ihre blitzschnelle Reaktion hat sie davor bewahrt, dass die Zähne des zuschnappenden Hundes ihre Hand getroffen haben. Endlich geruhte der Hundehalter seinen Hund zu rufen und wir konnten gefahrlos zu unserem Tisch. Und ich sah, dass der Mann in einem Rollstuhl sass. Irgendwie hat mich das davor abgehalten, eine böse Bemerkung fallen zu lassen, doch ein nicht minder böser Verdacht keimte in meinem Kopf auf: Dürfen sich Rollstuhlfahrer mehr leisten als andere?

An unserem Tisch wartete bereits die nächste Unbill auf uns: dass unsere Tischnachbarn Hunde, vor allem in Restaurants, nicht mögen, war sofort dem kalten und verachtenden Blick an zu sehen, den uns der Mann entgegen warf. Seine Partnerin hingegen schenkte uns keine Beachtung, bückte sich jedoch um schnell ihre auf dem Boden stehende Handtasche aufzuheben. Als ob Tatezi sie stehlen würde! Tatezi hat sich mustergültig verhalten und sich gleich neben mich hingelegt um dort für die Zeit meines Essens zu bleiben. Ich habe in Restaurants schon Menschen gesehen, die sich bedeutend mehr daneben benommen haben. Denen ein lauter Rülpser entfahren ist, die mit Spagettisauce kleckern, Gabeln fallen lassen oder Rotwein über blütenweisse Tischtücher schütten.

Die Kälte, die vom Nachbartisch her ausstrahlte, war spürbar. Kaum ein Wort wechselte das Paar, die Frau hielt den Kopf meist gesenkt. Bis zu dem Moment, wo der Mann raus ging um eine Zigarette zu rauchen. Kaum war er weg, sah sie Tatezi an und ihr verhärmtes Gesicht erstrahlte in einem Lächeln. Mit lieber Stimme sprach sie auf meine Hündin ein und sah auch mir in die Augen. Es hätte wohl ein Gespräch begonnen, wenn nicht der Mann zurückgekommen wäre und die Temperatur wieder gefallen wäre. Wir blieben nicht lange. Draussen vor dem Restaurant bekam Tatezi ein grosses Stück von meinem „Faux filet“. Weil mir wieder einmal bewusst geworden war, was für eine gute, liebe Begleitung sie mir ist.
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Ferien mit Hund

Montag, 13. Juli 2009

Ferien mit Hund müssen genau so sorgfältig geplant werden wie diejenigen mit kleinen Kindern, damit weder Menschen noch Tiere Stress haben. Das Bundesamt für Veterinärwesen (www.bvet.admin.ch) hat hilfreiche Checklisten mit nützlichen Tipps, den Einreisevorschriften in andere Länder und denjenigen für die Heimreise. Bei Reisen in ein EU-Land kann man es auch machen wie wir: wir fragten vor Tatezis erster Reise nach Frankreich unsere Tierärztin, was es alles zu beachten gelte. Dabei hatten wir wieder einmal Glück: die für den Grenzübertritt notwendige Tollwut-Schutzimpfung darf nur gemacht werden wenn der Hund gesund ist. Und ausgerechnet als wir den Termin für diese Impfung hatten, musste Tatezi ein paar Mal husten. Wir haben deshalb den Arztbesuch um eine Woche verschoben, Tatezi ist nicht erkrankt und der Impfschutz 2 Tage vor unserer Abreise aktiv geworden! Wohl deshalb empfiehlt das Bundesamt für Veterinärwesen sich mindestens zwei Monate vor der geplanten Reise um die diversen Vorschriften zu kümmern.

Wer Ferien ausserhalb der EU plant, kann sich bei der Botschaft, Veterinärbehörde oder Zollstelle des Reiseziels (und allenfalls der zu durchreisenden Länder) nach den Anforderungen für die Einreise erkundigen. Ratsam ist auch, bereits vor der Hotelbuchung nachzufragen ob Hunde erwünscht sind oder nicht. Und wer sich entschliesst, für einmal ohne Hund zu verreisen, tut gut daran, sich rechtzeitig um eine Hundepension zu kümmern. Gute Plätze sind schnell ausgebucht, vor allem während der Hochsaison. Tatezi ist noch nie über Nacht fremdbetreut worden. Da ich Ferien wieder einmal in einem exotischen Land nicht ganz ausschliesse, werde ich mich demnächst nach einer guten Hundepension erkundigen, damit wir vorher ein- oder zweimal „Probeschlafen“ können.

Für diesmal haben wir jedoch unsere Ferien wieder in der Bretagne verbracht, besondere Massnahmen waren deshalb nicht nötig. Die neue Tollwutimpfung hält drei Jahre, sie ist also noch geschützt. Unmittelbar vor der Ausreise habe ich Tatezi einfach das Zeckenschutzmittel aufgetragen, das auch Sandflöhen abhält, und gestern Abend bekam sie die Tablette zum Entwurmen, schön eingepackt in einem Stückchen Wurst. Um sie in den Ferien vor Hautirritationen durch das Meerwasser zu bewahren, haben wir ihr ein Planschbecken gekauft und mit Süsswasser gefüllt, in dem sie nach jedem Baden spielen durfte. Wobei sie ehrlich gesagt eigentlich nicht richtig badet, sich höchstens die Füsse netzt, denn sie hat zuviel Respekt vor den Wellen. Und so hoffen wir, ihr mit Spielen in diesem Planschbecken auch die Angst vor Wasser zu nehmen.

Maibummel

Sonntag, 24. Mai 2009

Gut, habe ich die Schleppleine mit auf unseren Maibummel genommen. An dieser zirka 11 Meter langen Leine ist die junge Tatezi fast ein Jahr spazieren gegangen, durfte sich aber zum Spielen frei bewegen. Es war oft mühsam, vor allem bei Regen und im Winter wenn die Finger klamm waren und das Seil nass und schmutzig: blieb sie stehen um etwas zu beschnuppern, Leine aufrollen, trabte sie davon, Leine wieder los lassen. Das ging nur mit Handschuhen, denn so ein Seil, das rasend schnell durch die Hand läuft, nimmt auch Haut mit. Der Aufwand hat sich gelohnt, Tatezi bleibt heute auf unseren Spaziergängen (fast) immer in meiner Nähe. Seit gut einem halben Jahr brauchen wir die Schleppleine nicht mehr, ausser wir gehen in der Dämmerung raus oder wenn sie läufig ist. Und manchmal nehme ich sie einfach zur Sicherheit mit, wenn wir an uns unbekannten Orten unterwegs sind. So wie auf unserem Maibummel, der uns von Rüdlingen nach Ellikon dem Rhein entlang führte.

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Es ist ein sehr schmaler Weg, der durch das Naturschutzgebiet „Alter Rhein“, das grösste zusammenhängende Auengebiet in der Schweiz, führt. Wir sahen Schwäne, unzählige Wasservögel die am Brüten waren, hörten andere singen und staunten ob der vielfältigen Pflanzenwelt. Biber entzogen sich unseren Blicken, doch von ihrem Dasein zeugten angenagte Baumstämme. Die Leinenpflicht für Hunde scheint mir da nur logisch zu sein. Und trotzdem ist das Nichtbeachten der Anleinpflicht für Hunde zurzeit der häufigste Verstoss gegen die Verordnung in Naturschutzgebieten. Dank Schleppleine hatte Tatezi trotzdem etwas Auslauf. Und ich war froh, sie so doch besser unter Kontrolle zu haben, denn das schöne Wetter lockte nicht nur uns auf diesen Weg. Respekt habe ich vor allem vor Familien mit Kleinkindern, die wild mit den Armen vor jeder Hundeschnauze herumfuchteln, manchmal gar noch mit einem Stück Brot in der Hand.

In Ellikon stand uns eine Premiere bevor: Tatezi sollte zum ersten Mal auf ein Schiff, und zwar erst noch auf ein kleines, eine Fähre. Mir bangte ein wenig vor dem Moment, denn sie ist manchmal ein Angsthase, will zum Beispiel nicht über Glastreppen gehen. Gabi und ihr Hund Wuschi sollten vorangehen und ich, ohne mir meine Ängste anmerken zu lassen folgen, denn Hunde spüren diese und reagieren entsprechend. Es hat funktioniert, meine brave Kleine ist ohne zu zögern auf das leicht schaukelnde Boot gestiegen! Am anderen Ufer bekamen die Hunde verdientermassen Wasser, Gabi eine Cola und ich ein Bier. Und weil es auf der Fähre so gut gegangen ist, haben sich Gabi und Tatezi noch ein bisschen in den Booten der Pontoniere vergnügt.

Im Hotel

Samstag, 24. Januar 2009

Wenn Regen und Schnee sich schneller abwechseln als wir unsere Spaziergänge machen müssen, dann packt mich das Fernweh gewaltig. Wenn ich bei jedem Blick aus dem Fenster um die in den Windböen heftig ächzende und schwankende altersschwache Weide im Garten besorgt bin, dann möchte ich nur noch abhauen. Irgendwohin wo es warm oder zumindest trocken ist. Tatezi wäre kein Hinderungsgrund, das weiss ich seit ihrer ersten Hotelübernachtung im letzten Jahr:

Ich war müde von der langen Fahrt zurück aus den Ferien, brauchte unbedingt eine grössere Pause, einen Spaziergang mit Tatezi, ein Nachtessen und dann nur noch ein Bett. La Cadole heisst die kleine, sympathische Auberge, die wir ein paar Kilometer neben der Autobahn in Bar-sur-Seine gefunden haben. Die Stunde bis zu deren Öffnung nutzten wir um uns unsere sechs Beine zu vertreten. Etwas bange war mir schon und ich fragte mich, ob die uns überhaupt akzeptieren würden. Wie sind die Franzosen Hunden gegenüber eingestellt? Speziell in Hotels und Restaurants? Ich nahm sie dann einfach ganz selbstverständlich mit zur Rezeption und fragte nach einem Zimmer. Glück gehabt, die Frau hinter dem Anmeldetresen kam sofort nach vorne, bückte sich und streichelte meine sich das noch so gerne gebieten lassende Hündin. Im Zimmer bekam Tatezi natürlich zuerst Wasser und etwas Futter und dann staunte ich wieder einmal: als wäre es das Selbstverständlichste der Welt ging sie auf ihre Decke, die ich neben das Bett gelegt hatte, und setzte sich gleich darauf. Braver Hund!

Die Nacht war ruhig, das Frühstück bescheiden, was mir vor weiteren 500 km Fahrt nur Recht war, und ich setzte mich noch mit einer Tasse Tee vor dem Morgenspaziergang in den Garten. Da kam der Chef des Hauses und fragte, ob wir sein Hotel einen Moment hüten könnten, denn er müsse eine Angestellte mit dem Auto holen gehen. Wir meisterten unsere Aufgabe bestens: niemand wollte einbrechen und kein Gast sein Frühstück. Zurück tätschelte der Chef nochmals Tatezi und murmelte dazu: „Brave Fiffi, brave Fiffi.“ Mir schenkte er zum Glück nur ein Lächeln… Und während ich unser Gepäck zum Auto trug, erfreute ich mich der Gewissheit, dass Tatezi reisetauglich ist.


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