Archiv für die Kategorie „Gesundheit“

Mit dem Mixer nach Südamerika?

Sonntag, 8. August 2010

Wie soll ich bloss Tatezi auf unserer geplanten Reise ernähren? Seit sie bei mir ist, bekommt sie Trockenfutter, vor allem damit sich auf ihren Zähnen möglichst keine Plaques bilden, denn aus denen kann Zahnstein mit all den bekannten Folgen wie Zahnausfall entstehen (siehe Kussfrisch vom 13. September 2009). Nur, Trockenfutter kann ich unmöglich mitnehmen, mein kleiner Rucksack wird eh schon beinahe aus allen Nähten platzen.

Seit einiger Zeit stolpere ich immer wieder über den Begriff „Barfen“, was sich ableitet von B.A.R.F., „Bone and Raw Food“. Nur Gutes war darüber zu hören, so auch, dass sich bei dieser Ernährung keine Beläge auf den Zähnen bilden würden. Seit zirka einem Jahr bekommt Tatezi deshalb auch ein spezielles Trockenfutter, Orijen, bei dem zumindest die Zusammensetzung gleich ist wie beim Barfen: 70% des Futters bestehen entweder aus Fleisch, Geflügel oder Fisch und 30% entfallen auf Früchte und Gemüse. Natürlich ist dieses Futter nicht frisch, doch zumindest wird es ohne Konservierungsmittel hergestellt. Und Tatezi hat tatsächlich fast keine Beläge mehr auf den Zähnen.

Was lag also näher als der Gedanke, jetzt ganz auf Barfen umzustellen? Denn Früchte, Gemüse Fleisch und Knochen sollten überall zu finden sein. Unsicher war ich bloss, ob das roh genossene Fleisch nicht vielleicht zu Darmproblemen führen würde, denn die Hygienesituation dürfte in ländlichen Gegenden Südamerikas eine andere sein, als wir sie uns gewohnt sind. Unsere Tierärztin beruhigte mich mit den Worten: „Hunde haben eine so starke Magensäure, dass sie alle Salmonellen abtötet.“

Höchste Zeit also, mich näher mit dieser Ernährungsform zu befassen. Das Buch „B.A.R.F. Artgerechte Rohernährung für Hunde“ sollte mich in diese Wissenschaft einführen. Doch gleich im ersten Kapitel kam das „Aus“, denn da stand:
Richtiges Zubehör, das A und O einer jeden Zubereitung!

  1. Mixer/Pürierstab braucht man, um alle Zutaten so klein wie möglich zu zermantschen, damit der Hund die pflanzliche Zellulose richtig aufschliessen kann.
  2. Hackbeil/Fleischwolf/Knochenmühle
  3. Fleischmesser

Ich sehe mich, wie ich in Südamerika an einer Busstation stehe, in einer Hand Tatezis Leine, mit der anderen einen Mixer tragend, auf dem Rücken den Rucksack, am Gurt ein Hackbeil befestigt und das Fleischermesser wie einen Säbel gleich daneben. Wie weit ich so wohl kommen würde? Jetzt wird halt Tatezi mehr oder weniger dasselbe wie ich essen, wobei ich den Grundgedanken der Ernährungszusammenstellung übernehmen werde und ihr auch immer wieder frische Früchte füttern werde.

Tatezi frisst eine Banane

Was habt Ihr für Erfahrungen mit der Ernährung Eurer Hunde auf Reisen gemacht?

Aus der Traum von schönen Welpen

Sonntag, 4. Juli 2010

Tatezi hätte sicher wunderschöne Welpen gehabt und als Mama hätte ich sie mir auch gut vorstellen können. Ja, ich habe lange mit dem Gedanken geliebäugelt, sie mindestens einen Wurf Welpen haben zu lassen. Doch auf das Aussehen alleine kommt es nicht an. Erste Zweifel meldeten sich, als Tatezi mit nur 1 ½ Jahren einen gutartigen Tumor im Mund entwickelte, der eigentlich nur bei alten Hunden auftritt. Und gleichzeitig wollte das Lahmen hinten rechts, das wir erst auf einen Fehltritt zurückgeführt hatten, nicht aufhören. Physiotherapie bringt ihr seit einem Jahr monatlich Erleichterung, doch mit diesen immer wiederkehrenden Rückenproblemen war eine Trächtigkeit nicht mehr möglich.

Und trotzdem hat sich alles in mir gegen eine Kastration meiner Hündin gesträubt. Ich finde es einen gewaltigen Eingriff in die Natur eines Tieres, der oft nur aus Bequemlichkeit gemacht wird. Während ihrer letzten Läufigkeit hat Tatezi allerdings sehr gelitten, hat gejammert und war unausstehlich. Wenn ich mir dann vorstellte, so mit ihr in Südamerika unterwegs zu sein, überkam mich das kalte Grauen. Der Gedanke an all die wilden Strassenhunde die uns überfallen würden, machte mir Angst. Ja, ihre und meine Sicherheit wäre wohl gefährdet gewesen. Deshalb habe ich mich schweren Herzens entschlossen, sie kastrieren zu lassen.

Am letzten Freitag war es so weit. Am Abend zuvor sassen wir, wie jeden Abend, zusammen auf dem Balkon. Mir schien, sie schmiegte sich diesmal noch enger und voller Vertrauen an mich. Das schlechte Gewissen meldete sich prompt. Am Freitag ist sie wie immer schwanzwedelnd in die Tierarztpraxis marschiert, war so ohne Argwohn. Ich durfte bei ihr bleiben bis sie schlief und sie ein paar Stunden später wieder abholen. Der Blick, den sie mir dabei zuwarf, sagte mehr als tausend Worte, die Botschaft war klar: „Ich habe Dir vertraut und was hast Du mit mir angetan?“ Soll noch einer sagen, Hunde könnten ihre Gefühle nicht ausdrücken!

traurig nach der Kastration
Tatezi mochte nicht einmal im Garten ihr Geschäftchen machen, sondern hat sich gleich hingelegt.

Physisch hat sie die Operation gut überstanden, wie sich der Eingriff auf ihre seelische Befindlichkeit auswirken wird, werden wir sehen. Die erste Nacht haben wir im Wohnzimmer auf einer Matratze am Boden geschlafen, damit Tatezi, die doch noch wackelig auf den Beinen war, nicht Treppe steigen musste. Kaum war die Matratze ausgelegt, hat sie sie in Beschlag genommen. Ich, vom schlechten Gewissen geplagt, habe mich darum herum arrangiert. Da sie die ganze Nacht bei mir geblieben ist, hoffe ich jetzt, dass sie mir nicht allzu böse ist.

von der Narkose immer noch benommen

Der Tanz der Viren

Sonntag, 29. November 2009

Schweinegrippe, gewöhnliche Grippe und Erkältungen jeglicher Couleur machen zur Zeit bei uns wohl irgend einen Wettkampf, wer die meisten Opfer befallen kann und lähmen damit unser soziales Leben. Ich hatte zweimal mit meiner Freundin Margrit für Kino abgemacht, wir wollten uns „Giulias Verschwinden“ ansehen, doch beide Male mussten wir absagen. Erst war sie krank und eine Woche später ihr Mann, der während unserem Ausgang Tatezi hätte hüten sollen. Letzte Woche fiel Hundeschule wegen hohem Fieber der Trainerin aus. Gestern war ich in der Physiotherapie und musste mir anhören, wie die Frau neben mir lautstark ihrer Therapeutin erzählte, dass sie nun den ersten Fall von Schweinegrippe in ihrer Klasse habe. Am vorletzten Freitag fiel ein Familientreffen aus, weil meine Tochter Gabi krank war. Und diese Woche hat mich zum zweiten Mal in diesem Herbst so ein frecher Virus erfolgreich attackiert, so dass ich für drei Tage das Bett hüten musste.

Gegen die Schweinegrippe impfen oder nicht – das war lange Zeit das Tagesthema. Menschen mit chronischer Krankheit wird die Impfung empfohlen, und sie bekamen auch den ersten Impfstoff, weil sie für Komplikationen besonders gefährdet sind. Menschen mit unterdrücktem Immunsystem, zum Beispiel durch die bei chronischer Polyarthritis (wie bei Gabi und mir) eingesetzten Medikamente, erst Recht. Doch eine Impfung könnte auch einen erneuten Schub der Polyarthritis auslösen. Wir haben also die Wahl zwischen einer schlechten und einer untauglichen Lösung. Ich habe mich gegen die Impfung entschieden, Gabi dafür. Sie hat es teuer bezahlt, mit einem heftigen, sehr schmerzhaften Schub. Ich bin froh, geht es ihr heute wieder besser.

Manchmal denke ich mir, wir Menschen seien schon sehr degeneriert. Werden trotz Salben, Tropfen und Pillen von jedem Virus lahm gelegt. Unsere vierbeinigen Freunde hingegen, die geniessen das Leben und rennen nach Herzenslust über Wiesen oder Strände ohne sich Gedanken um Grippe und andere Krankheiten zu machen. Es tut gut, ihnen zuzusehen:

Tatezi und Wuschi

Im Banne des Schweinegrippenwahns

Sonntag, 27. September 2009

Am Donnerstag nach der Hundeschule hat es begonnen. Ganz plötzlich. Wie angeworfen. Die Nase lief ununterbrochen, ein leichter Kopfschmerz stellte sich ein und ein sanftes Kratzen im Hals kündigte Kommendes an. Das traf denn auch tatsächlich ein, in der Nacht auf Samstag habe ich vermutlich das halbe Quartier mit meinem Husten wach gehalten. In anderen Jahren hätte ich mir nichts dabei gedacht, hätte diese Symptome als zu einer banalen Erkältung gehörend erkannt. Doch jetzt, nachdem ich, wie wohl alle anderen auch, mehr als ein halbes Jahr fast täglich die Panikmache um die Schweinegrippe gelesen oder gehört habe, jetzt begann dieses einer Gehirnwäsche nicht unähnliche stete Berieseln seine Wirkung zu zeigen. Unangenehme Gedanken schlichen sich in meinen mittlerweilen heftig schmerzenden Kopf. Was, wenn es nun tatsächlich die Schweinegrippe ist? Soll ich jetzt die von den Nachbarn für Samstag ausgesprochene Einladung zum Abendessen absagen? Wie gehe ich jetzt bloss Hustensaft kaufen, ohne unterwegs alle mir Begegnenden anzustecken? Denn Atemmasken, um die Viren an Ausflügen zu meinen Mitmenschen zu hindern, habe ich natürlich keine.

Ich habe die Nachbarn gewarnt, wollte mich vor allem wegen ihren oft am Sonntag vorbeikommenden Enkelkindern abmelden. Doch die Nachbarin hatte keine Angst vor einer Ansteckung und so habe ich die Einladung dankend angenommen. Und es hat gut getan, mich aufzurappeln und einen gemütlichen Abend in angenehmer Gesellschaft zu verbringen. Heute bin ich noch ein wenig groggy, wohl vom Hustensaft, aber ansonsten wieder OK. Ist wohl doch nur eine banale Erkältung. Und so kann ich erleichtert sagen: es ist besser Schwein zu haben, als die Schweinegrippe.

Tatezi, die in diesen zwei Tagen zu kurz gekommen ist, hat sich mustergültig verhalten. War auf den kurzen Spaziergängen lammfromm und hat ansonsten viel neben mir geschlafen. Sie hat bestimmt gemerkt, dass es mir nicht gut ging. Aber genau so hat sie heute Morgen auch gespürt, dass ich wieder zu mehr fähig bin. Unmissverständlich hat sie darauf gedrängt, endlich wieder raus zu dürfen. Ich werde sie heute Nachmittag mit einem langen Spaziergang für ihre Geduld belohnen und unterwegs werden wir zusammen spielen.

geduldige Tatezi

Kussfrisch

Sonntag, 13. September 2009

Hunde küssen nicht. Zum Glück, sonst hätte Tatezi kaum Chancen beim anderen Geschlecht gehabt. Nicht dass sie Mundgeruch hätte, aber ihre Zähne waren bereits im Alter von zwei Jahren mit einem unappetitlichen, braunen Belag überzogen. Von diesen Plaques waren vor allem ihre vorderen und hinteren Backenzähne betroffen. Dabei habe ich, um genau das zu verhindern, ihr trockenes Futter und immer wieder die verschiedensten Kauknochen gegeben. Die Tierärztin, anlässlich des letzten Impftermines darauf angesprochen, schlug Zähneputzen vor. Zugegeben, es ist lange her, dass ich mit Hunden aufgewachsen bin, aber ich hatte immer geglaubt, damals doch das Wichtigste im Zusammenleben mit einem Hund gelernt zu haben. Doch weder unser Pudel Bobby noch der Labradormischling Mischa haben je Kontakt mit einer Zahnbürste gehabt! Und soweit ich mich erinnern kann, haben beide bis ins hohe Alter keine Zahnprobleme gehabt.

Aus Plaques wird durch das Einlagern von Salzen Zahnstein, in dem sich Bakterien ansammeln können. Dadurch entzündet sich das Zahnfleisch, es können sich Zahnfleischtaschen bilden und schliesslich die Zähne ausfallen. Genau wie bei Menschen. Und es gibt, ebenfalls wie bei den Menschen, auch bei den Hunden mehr oder weniger dafür Anfällige. Damit Tatezi nicht eines Tages ohne Zähne lustlos Brei essen muss, haben wir also die Tierarztpraxis mit Zahnbürste, Zahnpasta und Mundwasser, das dem Trinkwasser beigegeben wird, verlassen.

Die Zahnbürste kann über den Finger gestülpt werden

Mich daran erinnernd, was für einen Kampf wir mit den Augentropfen gehabt haben, wollten wir das Abenteuer Zähneputzen ganz, ganz langsam und vorsichtig angehen. Denn wenn Tatezi einmal etwas ablehnt, dann bedeutet das, dass sie davon wirklich nichts mehr wissen will. Sie hat einen Kopf, härter als Granit. Anfangs habe ich ihr jeden Abend mit dem Finger Zähne und Zahnfleisch massiert. Die Zahnpaste, mit Geflügelaroma (!), durfte sie erst vom Finger lecken, bevor ich in einem weiteren Schritt ihr damit über die Zähne gestrichen bin. Sie scheint sie zu lieben, zum Glück. Als nächstes wäre nun der Einsatz der Zahnbürste angestanden, doch dann musste sie im Mund operiert werden (siehe Beim Zahnarzt), wobei auch gleich all ihre Plaques entfernt wurden. Um die Wundheilung nicht zu stören, haben wir das Zahnputz-Training unterbrochen. Tatezi ist sich mittlerweilen trotzdem gewöhnt, dass jeden Abend etwas in ihrem Mund gemacht wird, musste ich doch bis jetzt immer die operierte Stelle desinfizieren. Nun sind auch die letzten Fäden draussen und wir beginnen wieder mit der Mundhygiene. Heute Abend noch ohne Zahnbürste, doch ab morgen wird sie zum Einsatz kommen. Dann wäre Tatezis Mund kussfrisch.

Gabi lässt Tatezi an der Zahnpastatube lecken

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