Archiv für die Kategorie „Erziehung“

Abschied

Sonntag, 21. August 2016

Hier schreibt Niklaus, der Sohn von Christine. Ich habe leider eine traurige Nachricht. Christine ist vor zwei Monaten unerwartet an einer Hirnblutung gestorben.
Sie hatte zwar viele körperliche Beschwerden und wollte eines Tages auf diese Art gehen (einschlafen und nicht mehr erwachen), doch ist es viel zu früh passiert.

Vor 1.5 Jahren hat meine Schwester unserer Mutter eine Enkelin geschenkt. Das hat sie enorm gefreut und mit Stolz erfüllt. Hier ist eines der letzten Bilder von Christine zusammen mit Naomi:

Tatezi geht es prima. Meine Schwester und ich kümmern uns gut um sie

Ich bin pensioniert

Sonntag, 20. Juli 2014

Es ist still geworden, im Hundeblog. Tatezi und ich gehen es gemächlicher an, mein Rücken erlaubt mir keine grossen Abenteuer mehr. Seit dieser Woche bin ich pensioniert und nutze diese Gelegenheit, mich von meinen Lesern und Leserinnen hier zu verabschieden. Ich danke Euch für Eure Treue! Ihr habt uns durch Tatezis manchmal stürmische Jugend begleitet und miterlebt, wie aus dem wunderschönen, wilden Welpen eine immer noch wunderschöne, brave und manchmal auch immer noch wilde Hündin geworden ist.

Drei Wochen alt war das kleine Fellknäuel als wir uns kennen gelernt haben

Die Liebe war von Anfang an gegenseitig

Am 07.07.07 betrat Tatezi ihr neues Zuhause

Der Ernst des Lebens hat begonnen, Tatezi in der Welpenschule

Mit Wuschi, ihrem Spielkollegen, den sie gerne foppt, vor dem sie jedoch immer noch Respekt hat

Ihr habt mit uns gelitten, wenn es uns nicht gut ging, wenn Tatezi oder ich Rückenschmerzen hatten, die wir mit Physiotherapie im Wasser zu beheben versucht haben, als sie kastriert wurde oder auch als sie sich zum Beispiel in Südamerika die Pfoten beim Rennen über Steppengras wundgescheuert hat.

„Was haben die bloss mit mir gemacht“, schien sich Tatezi nach der Narkose zu fragen

Mit einem Spielzeug motivierte der Physiotherapeut Tatezi zum Mitmachen

Die grossen Blasen haben wir mit Vitamerfen behandelt und mit einem Verband vor Verschmutzung geschützt

Vielleicht habt Ihr geschmunzelt, als Ihr gesehen habt, wie Tatezi mir beim Buchen geholfen hat? Oder als sie in unserer Runde mitgepokert hat? Oder Ihr habt Euch, wie ich mich auch, gefreut über diese Tierfreundschaft? Söfi ist immer noch Tatezis Lieblingskatze.

Auf unseren beiden grossen Reisen durch Südamerika konntet Ihr unsere Abenteuer mit verfolgen (ich bekomme beim Durchsuchen nach Fotos gleich wieder Fernweh…) und auch in die Bretagne habt Ihr uns ein paar Mal begleitet.

4 Stunden dauerte die Kanufahrt nach San Miguel, das Ausgangspunkt für unseren Ausflug in den Küstennebelwald war

In der Madre Selva Lodge waren wir froh um unsere Mückennetze

Stimmt, die Aussicht ist aus jedem Fenster in Locquémeau toll!

Und jetzt kann ich das Rentnerleben geniessen!

Kleiner Hund auf grosser Fährte

Sonntag, 22. Januar 2012

Wuschi, der Hund meiner Tochter, durfte zum ersten Mal mit in meine Hundeschule. Er war natürlich vorher auch schon in einer Schule, aber die zwei Hunde waren noch nie gleichzeitig auf dem Übungsplatz. Tatezi hat das gar nicht gepasst, es war doch ihr Privileg, mit mir zu den beiden Trainerinnen zu gehen. Zu Beginn jeder Lektion müssen alle Hunde gemeinsam das „Frei Ablegen“ üben. Dazu sollten sie im Abstand von fünf Metern im „Platz“ während fünf Minuten ruhig liegen bleiben während wir, die Halterinnen, fünf bis zehn Meter vor ihnen stehen. Tatezi konnte das bisher Recht gut. Diesmal aber bellte sie und ist sogar zweimal aufgestanden, hat reklamiert, wie um zu sagen: „Hey, das ist meine Schule, Wuschi hat da nichts verloren!“ Zur Strafe musste sie zurück ins Auto und die Übung danach alleine machen.

Da kein Schnee liegt, haben wir die Gelegenheit genutzt um wieder einmal das „Fährten lesen“ zu üben und so kam Wuschi schon in seiner ersten Stunde dazu die für Hunde äusserst spannende Übung mitzumachen. Er war eifrig bei der Sache und hat auf den 30 Schritten die Wurstscheiben gut erschnüffelt. Auch Tatezi hat ihre Sache gut gemacht, denn Wuschi war während sie arbeitete im Auto.

Wie für jede Schule müssen wir auch für die Hundeschule Aufgaben machen, diesmal sollten wir zweimal das „Fährten lesen“ üben. Bisher habe ich immer Wuschi an einem Baum angebunden, während ich mit Tatezi der ausgelegten Spur gefolgt bin. Jetzt gehen meine Tochter und ich zusammen auf den Spaziergang, denn wir dürfen nicht mit dem Hund der anderen üben. War das ein Gebell von Tatezi, während Wuschi seine Fährte las! Es braucht wohl noch viel Geduld, bis meine Hündin akzeptiert hat, dass auch Wuschi Würstchen suchen darf.

Zurück an den Start

Sonntag, 18. September 2011

Ich will es jetzt doch noch wissen. Will endlich vorwärts machen in der Hundeschule und auf die Prüfung „Begleithund“ hinarbeiten. Seit beinahe drei Jahren basteln wir an dieser Ausbildung herum, die wir immer wieder unterbrechen mussten. Mal hatte sich Tatezi verletzt und durfte deshalb drei bis vier Monate nur an der Leine gehen, was den Besuch der Hundeschule ausschloss. Mal musste sie im Mund operiert werden, was nur eine kurze Pause bedingte, aber zusammen mit unseren Aufenthalten in Frankreich sich halt doch wieder zu einer längeren Absenz auswuchs. Dann hatte ich zu starke Schmerzen um mit ihr zu trainieren und im letzten Jahr musste ich wegen den Nebenwirkungen der Gelbfieberimpfung drei Monate aussetzen. Jedes Mal mussten wir ein paar Schritte zurückgehen, bereits Gelerntes neu üben.

In diesem Jahr haben wir acht Monate ausgesetzt, denn ehrlich gesagt, in Südamerika hatten wir anderes zu tun als zu trainieren. Und jetzt müssen wir wieder ganz am Anfang beginnen. Es kommt mir vor wie beim Spiel „Eile mit Weile“, wir müssen zurück an den Start. Vor allem beim „Fährten lesen“ braucht das enorm viel Geduld, denn hier müssen wir wieder ganz geduldig die Grundkenntnisse in ihrem Kopf verankern. Als wir vor zwei Wochen zum ersten Mal wieder in der Hundeschule waren, hatte sich Tatezi sofort daran erinnert, was das rote Fähnchen auf dem Feld bedeutet. Sie wusste noch genau, wenn sie von dort aus meine Spur erschnüffelt, findet sie zuletzt einen Wurst-Jackpot. Nur ist sie leider im Eilzugtempo über die Fährte hinweg gesaust, hat die Nase kaum am Boden gehabt und hätte so keine Chance gehabt, den Winkel in der Fährte zu bemerken.

Eine Fährte führt zuerst 100 Schritt gerade aus und nach einem rechten Winkel nochmals 50 Schritt zum Ziel, wo der Hund vor einem Gegenstand „Platz“ machen muss. Um ihm das Lesen dieser Fährte beizubringen, legt man zuerst nach jedem Schritt ein Stück Wurst genau vor den Schuh. Mit der Zeit lässt man das eine oder andere Stück Wurst aus, verlängert langsam die Abschnitte ohne Belohnung, bis zuletzt keine Wurst mehr auf der Fährte liegt. Wir waren im letzten Jahr bei 60 Schritten ohne Wurst und hatten den rechten Winkel auch schon ganz gut beherrscht. Und jetzt müssen wir wieder ganz von vorne beginnen, nach jedem Schritt eine winzige Belohnung! Denn nur so erschnüffelt Tatezi die Fährte wirklich und arbeitet sich langsam voran. Wir üben jeden Tag, denn einmal sollten wir doch das Ziel erreichen.

Schon wieder Durchfall

Sonntag, 17. Oktober 2010

Tatezi hat seit ihrer Jugendzeit alle paar Wochen mal Durchfall. Ich habe dem keine Beachtung geschenkt, mir einfach gedacht, sie habe halt einen nervösen Verdauungstrakt. Gibt es ja schliesslich auch bei Menschen, oder? Und sie ist insgesamt ein zappeliges, eher nervöses Tier. Mit einem bis zwei Tagen Reisdiät und danach langsamem Umsteigen auf ihr gewohntes Futter normalisiert sich ihre Verdauung immer. Und selbstverständlich wird sie von Zeit zu Zeit entwurmt.

Was mir jetzt aber gar nicht gefällt, ist, dass sie zunehmend Kot frisst. Das hat im vorletzten Winter mit gefrorenen Pferdeäpfeln begonnen. Auf das Kommando „Aus“ hat sie die für sie offenbar leckere Eiscreme wieder ausgespuckt und ich machte mir deshalb keine Sorgen. Seit diesem Frühling jedoch frisst sie zunehmend auch anderen Kot. Und hat vermehrt Durchfall. Dazwischen frisst sie so viel Gras, dass ich manchmal das Gefühl habe, einen Wiederkäuer spazieren zu führen.

Eine Internetrecherche zum Thema „Kotfressen“ hat mich nicht wirklich schlau gemacht. Das komme vor allem bei Hunden vor, die in einem kleinen Zwinger gehalten würden, war da etwa oft zu lesen. Tatezi ist doch kein Zwingerhund! Und sie bekommt sicher genug Auslauf. Auch der Hinwies, dass Mangelerscheinungen zu dieser ungeliebten Angewohnheit führen, kann ich mir bei ihr nicht vorstellen. Wir kaufen ihr Futter bei der Tierärztin oder beim Physiotherapeuten. Und das ist eher ein teures Produkt, zusammengestellt nach den Regeln, die für das Barfen gelten (siehe Mit dem Mixer nach Südamerika).

Heute Morgen bin ich dann doch noch auf einen Hinweis gestossen, dem ich nachgehen will: Beim Barfen wird kein Getreide verwendet, da das in der natürlichen Ernährung der Wölfe nicht vorkommt. Verschiedentlich haben Hunde, die barfgetreu ernährt werden, mit dem Kotfressen aufgehört, nachdem sie kleine Portionen Getreide dazu bekommen haben.

Wie habt Ihr Euren Hunden das Kotfressen abgewöhnt?

Therapiehundeausbildung ist keine Win-Win-Situation

Sonntag, 1. August 2010

Wenn man gewillt ist viel Zeit und Geld in eine Ausbildung zu stecken und danach ehrenamtlich arbeiten will, darf man dann nicht auch selber einen kleinen Nutzen aus diesem Engagement ziehen? Als Halterin eines Therapiehundes offenbar nicht.

Dass sich Tatezi als Therapiehund eignet, vor allem bei älteren Menschen, ist mir schon lange klar und eigentlich hat sie während unseren Besuchen bei meiner Mutter in der Pflegewohngruppe auch ohne Ausbildung bereits als das gearbeitet. Als meine Mutter gestorben ist, wollte ich deshalb die Ausbildung zur Therapiehündin mit ihr machen. Nun, für den Frühlingskurs waren wir leider zu spät, der hatte gerade in der Woche, als ich mich erkundigt habe, begonnen. Und der Herbstkurs sei auch schon ausgebucht, hiess es, aber da es immer wieder ein paar Abmeldungen gäbe, hätte ich durchaus eine Chance, dann mitzumachen.

Ich bin wohl einfach zu anständig und ehrlich. Denn ich habe den Fehler gemacht der Frau zu sagen, dass ich wirklich froh wäre im Herbst die Ausbildung zu machen, da ich 2011 nach Südamerika reisen wolle. Dass ich auf meiner Reise von Tatezis Ausbildung profitieren könnte, dieser Gedanke ist mir beim Lesen über all die Probleme, die man mit Hunden auf diesem Kontinent hat, gekommen. Hunde sind dort nicht überall willkommen, oder besser gesagt fast nirgends. Hätte sie einen offiziellen Ausweis als Therapiehund, so meine Überlegung, sollte ich sie an den einen oder anderen Ort mitnehmen können, der uns ansonsten verschlossen bleibt. Hätte ich doch bloss nichts davon gesagt! Denn jetzt bekam ich Bescheid, dass unter diesen Umständen Tatezi erst nach unserer Reise die Ausbildung machen könne. Mit der Begründung, wir hätten im ersten Jahr danach nicht mehr genügend Zeit, die mindestens 20 Einsätze zu absolvieren, die ein Therapiehund pro Jahr leisten muss um seinen Ausweis nicht zu verlieren.

Wenn es wirklich sein müsste, hätten wir diese 20 Einsätze schon hingekriegt. Aber hätte man nicht auch sagen können: „OK, Sie werden in ihrem ersten Jahr nur 10 Einsätze leisten, machen Sie dafür im nächsten 30. Oder in den beiden nächsten Jahren je 25.“ Denn ich gehe doch davon aus, dass Tatezi noch lange als Therapiehündin wird arbeiten können. Das wäre eine Win-Win-Win-Situation gewesen, bei der alte Menschen nach unserer Rückkehr von Besuchen profitiert hätten, die Schule hätte eine lernbegierige Hündin ausbilden können und wäre dafür bezahlt worden und wir hätten es auf unserer Reise um einiges leichter gehabt.

Herumstreunende Kinder

Samstag, 24. Juli 2010

Der Blog dieser Woche erschien am Freitag im Mamablog des Tagesanzeigers.

Hier der Link: Herumstreunende Kinder

Damit dieser Eintrag aber doch noch etwas Farbe bekommt, zwei Bilder:

Wie das Herrchen, so sein Hund

Sonntag, 18. April 2010

Neulich habe ich mit Tatezi während unserem Spaziergang gespielt, ihr den Kong geworfen, den sie mir mit viel Freude zurückgebracht hat. Aus den Augenwinkeln sah ich von weitem schon einen Mann mit seinem Hund daherkommen. Da der Hund in einigem Abstand vor seinem Herrchen hertrabte, nahm ich an, er sei auch nicht an der Leine und spielte weiter mit Tatezi. Und plötzlich war es zu spät. Als ich realisiert habe, dass dieser mir unbekannte Hund angeleint war, hatte ihn auch Tatezi schon gesehen. Super, noch ein Spielgefährte, wird sie sich gedacht haben, ist auf ihn losgestürmt um ihn freudig zu begrüssen, zu beschnuppern und zum Spielen aufzufordern. Ich weiss, ich hätte sie in dieser Situation an die Leine nehmen müssen, und ich hätte dies auch getan, wenn ich vorher gesehen hätte, dass der andere Hund nicht frei war. So verlangt es der Hundehalterknigge und an den halte ich mich. Leider kam Tatezi nicht sofort auf mein Rufen zu mir, was sie sonst immer tut. Aber sie hat weder gebellt, noch geknurrt, auch nicht die Zähne gefletscht und schon gar nicht nach dem etwa gleich gossen, fremden Hund geschnappt. Sie war kaum schwanzwedelnd bei ihm angelangt, als sie auch schon der erste Hieb mit der Leine traf. Mit aller Kraft schlug der Mann immer wieder auf sie ein. Derart malträtiert hat sie nun begonnen zu bellen und ist um den Mann herum gesprungen. Aber immer noch hat meine friedliebende Hündin weder geknurrt noch sonst ein Zeichen von Aggression gezeigt. Mein Rufen hat sie jedoch vollkommen ignoriert, war wohl zu verstört um mich noch zu hören, während der fremde Hund sich zwischen die Beine seines Herrchens verzog. Schliesslich hat der Mann Tatezi am Kragen gepackt, hochgehalten und sie dabei beinahe erwürgt. Ich habe sie schnell an die Leine genommen und bin mit ihr in einen sicheren Abstand zurückgewichen.

Nun bekam ich noch einige verbale Schläge. Auf meine Frage, warum er sich denn so aggressiv verhalten habe, erwiderte mir der Hundehalter, sein Hund sei schon mehrmals von fremden Hunden gebissen worden. Aber doch nicht von Tatezi! Ein Wort gab das andere, bis es mir verleidet war und ich ihm zurief, er solle jetzt endlich verschwinden, damit wir in Frieden unseren Spaziergang fortsetzen könnten.

Von einem friedlichen Spaziergang konnte unter diesen Umständen natürlich nicht mehr die Rede sein. Ich kochte vor Wut. Und ich fragte mich, wer bei diesem Gespann eigentlich gestörter sei, ob Halter oder Hund. Es ist ja nicht normal, dass Hunde ohne Grund immer wieder von Artgenossen gebissen werden. Und andererseits, wenn ich Tatezi an der Leine habe und mir kommt ein unangeleinter Hund entgegen, verlangsame ich mein Tempo oder bleibe gar stehen, um dem fremden Hundehalter Gelegenheit zu geben, seinen Hund an die Leine zu nehmen. Ob sich dieser Mann so immer wieder etwas beweisen muss? Und dadurch sein eigener Hund nur immer noch verstörter wird? Denn sicher hat auch der den einen oder anderen Hieb der Leine abbekommen.

Schlafen als Hausaufgabe

Sonntag, 11. April 2010

Wie haben sich Mutters Mitbewohnerinnen, und sie selber natürlich auch, in der Pflegewohngruppe immer gefreut, wenn Tatezi auf Besuch kam! Und meine verschmuste Hündin hat sich noch so gerne von allen streicheln und knuddeln lassen. Besonders Frau V. hat Tatezi ins Herz geschlossen und die Liebe war wohl gegenseitig. Vor ein paar Wochen ist Frau V. unerwartet gestorben. Tatezi hat das gespürt, oder vielleicht hat sie auch einfach die traurige Stimmung der Menschen widergespiegelt. Bei unserer Ankunft war nichts von freudigem Schwanzwedeln zu sehen. Im Gegenteil, Tatezi hat traurig umhergeschaut, ist dann zum Tisch gegangen und hat sich neben dem Stuhl, auf dem Frau V. immer gesessen ist, hingelegt. Das hatte sie zuvor noch nie getan.

Jetzt, wo auch meine Mutter gestorben ist, kann ich mit Tatezi nicht mehr einfach so, ohne Ausbildung, als Therapiehund arbeiten. Im Grunde genommen haben wir das elf Monate lang getan. Wie viele Lächeln haben wir auf Gesichter gezaubert, wie viele gute Erinnerungen wach gerufen. Das ist doch Therapie, besser als jede Psychopharmaka. Darum will ich jetzt mit ihr die Ausbildung zum Therapiehund machen. Leider haben die so genannten Sommerkurse bereits Anfang März begonnen, just als ich mich erkundigt hatte. So besuchen wir jetzt erst einmal einen Vorbereitungskurs. In der Hoffnung, dann die Aufnahmeprüfung für die Ausbildung auch zu bestehen.

Ein Therapiehund muss bedeutend mehr können, als sich einfach gerne streicheln lassen. Er darf keine Angst haben vor Rollstühlen, Gehhilfen und anderen technischen Hilfsmitteln. Plötzliche Schreie von Patienten dürfen ihn ebenso wenig einschüchtern wie ungewohnte Kleidung. Und wenn ihn ein Patient mal nicht so geschickt anfasst, darf er natürlich deswegen weder knurren noch sonst irgendwie Ärger zeigen. Einiges davon ist sich Tatezi bereits gewöhnt, anderes ist für sie ganz neu. Zum Beispiel, dass sie sich auf Befehl auf die Seite legt und sich streicheln lässt. Darum haben wir seit letzter Woche ein neues Kommando, das wir fleissig üben: „schlafen“.

Schlafen auf Befehl ist gar nicht so einfach

Bin ich eine Tierquälerin?

Sonntag, 21. Februar 2010

Die letzen drei Wochen waren happig. Für Tatezi, aber auch für mich. Die Hormone haben mein Hundemädchen so durcheinander geschüttelt, dass sie nicht mehr wusste wo oben und unten ist. Zu Beginn ihrer Läufigkeit hat sie von morgens bis abends gejammert, leise gewinselt oder vor der Türe lautstark kundgetan, dass sie raus wollte. Sie hat mir zwar Leid getan, aber irgendwie haben wir das durchgestanden. Richtig mühsam wurde es in der zweiten Woche. Auf der Hälfte des Spaziergangs hat sie an der Leine gezerrt, in diese gebissen oder mich besprungen. Auch da konnte ich sie erst noch verstehen. Zum einen war da natürlich der Trieb, die Natur, die ihr Recht zur Fortpflanzung forderte. Und ausserdem lag nochmals frischer Schnee – und sie musste an der langen Leine gehen, durfte nicht Schneeballen hinterher jagen. Aber musste sie sich deshalb immer auf einen Machtkampf mit mir einlassen?

Zu Beginn der Dritten Woche hat sie mich einmal zu oft bespringen wollen. Wir kamen eben von einem langen Spaziergang nach Hause, ich war genervt von ihrer Zickerei und bevor ich mich aus den diversen Schichten Winterkleidung geschält hatte, hat sie es dreimal versucht. Ich habe mir einen kalten Tee eingeschenkt und wollte damit ins Büro, als ich schon wieder von hinten angesprungen wurde. Da habe ich mich blitzschnell umgedreht, „Nein!“ geschrieen und ihr die Tasse Tee angeschüttet! Tatezi sprang rückwärts und schaute mich dermassen verdattert und traurig an, dass mir sogleich windelweich ums Herz wurde und mein schlechtes Gewissen das Ausmass eines Achttausenders annahm.

Seither hat sie mich nicht ein einziges Mal mehr besprungen. Hat zwar noch zweimal dazu Anlauf genommen, aber den Versuch jeweilen sofort abgebrochen. Zur Belohnung, und um sie ein bisschen abzulenken, spielen wir jeden Tag im Haus verstecken. Doch mich quält die Frage: Bin ich eine Tierquälerin, weil ich sie mit einer Tasse kalten Tees begossen habe? Oder ist es ihr gegenüber nicht fair, sie diesem Hormonstress auszusetzen nur weil ich das Gefühl habe, ich wolle ihr ihre Ganzheitlichkeit, ihre Weiblichkeit erhalten?


Der eingerollte Teppich ist ein prima Versteck, aber Tatezi hat das auch schnell kapiert.

Wie geht Ihr damit um, wenn Eure läufigen Hündinnen hormongesteuert aus dem Ruder laufen?

¡Hola! ¿Que tal?

Sonntag, 17. Januar 2010

Im August habe ich von meinem grossen Wunsch, einer Reise durch Südamerika, geschrieben (Ich habe einen Traum). So eine grosse Reise, sie soll mindestens sechs Monate dauern, muss natürlich gründlich vorbereitet werden. Da der voraussichtliche Start im Januar 2011 sein wird, bleibt mir zum Glück noch ausführlich Zeit dazu. Vor zwei Monaten habe ich den ersten Schritt getan: ich habe mit einem Spanischkurs begonnen. Denn bis es soweit ist, will ich schon ein bisschen mehr als die Begrüssungsformel „¡Hola! ¿Que tal?“ können. Tatezi ist auch glücklich darüber. Denn jeden Donnerstagabend, während ich mich durch spanisches Vokabular kämpfe, darf sie zu meiner Mitbewohnerin und bekommt von der einen grossen Kauknochen und ganz viele Streicheleinheiten.

Natürlich muss auch Tatezi weiter üben, aber das gefällt ihr weniger. Als sie noch ein Welpe war, habe ich ihr eine grosse Transportkiste gekauft, in die sie sich damals gerne zurückgezogen hat. Aber irgendwann, ich nehme an, es hat mir ihrer Selbständigkeit und ihrem Selbstbewusstsein zu tun, brauchte sie den Schutz dieser Box nicht mehr, ging einfach nicht mehr hinein. Das unansehnliche Ding wanderte in den Keller. Im letzten August habe ich es wieder geholt, vorläufig aber nur den unteren Teil davon aufgestellt:

Nach zwei Monaten kam das Dach darauf und seit zwei Wochen ist die eine Hälfte der Türe montiert. Tatezi gefällt das gar nicht. Während ich esse, muss sie immer auf ihr Plätzchen, jetzt also in die Box. Sie tut es, aber äussert widerstrebend. Um ihr die Box ein bisschen begehrenswerter zu machen, bekommt sie nur noch dort absolute Leckerbissen, wie die von ihr heiss geliebten, getrockneten Fische. Kaum ist der Fisch verschlungen, sagt ihr Blick allerdings mehr als deutlich, was sie von dieser Box hält.

Deutlich besser gefallen ihr da die anderen Übungen: sie geht sehr gerne in die Hundeschule, sowohl ins Training für die Prüfung „Begleithund“ als auch in den vor kurzem begonnen Kurs „Familienhund“. Und wir nutzen jeden Spaziergang um mindestens etwas zu trainieren. Die geplante Reise ist ein guter Ansporn, denn bis dahin müssen wir beide sicher sein, uns absolut aufeinander verlassen zu können.

Mein schlaues Schlitzohr

Sonntag, 22. November 2009

Wir sind zurzeit heftig am Üben, weil ich im nächsten Frühling endlich die Begleithunde-Prüfung absolvieren möchte. Dazu muss Tatezi unter anderem einer Spur, einer Fährte, über zirka 150 m folgen können, die nach 100 m einen rechten Winkel macht. Für alle Nicht-Hundesportler hier kurz wie man das Fährtenlesen dem Hund beibringt, er muss ja erst kapieren, was der Mensch von ihm erwartet. Ohne Hund geht man eine kurze Fährte von etwa 30 Schritten und legt dabei bei jedem Schritt ein kleines Stückchen Wurst unmittelbar vor den Schuh. Beim Start hat es ein rotes Fähnchen und am Ziel gibt es den Jackpot, viele Leckerlis und natürlich auch entsprechend Lob. Mit der Zeit lässt man dann das eine oder andere Stückchen Wurst weg, baut langsam die Abstände ohne Wurst aus und verlängert die Fährte. Da Tatezi sehr verfressen ist, hat sie schnell kapiert, dass am Ende der Spur viel Gutes auf sie wartet. Heute Morgen hat sie 40 Schritte ohne Wurst geschafft!

Was aber riecht der Hund, wenn keine Wurst auf dem Boden liegt? Beim Gehen über Gras werden die einzelnen Grashalme leicht geknickt, verletzt, und an diesen Bruchstellen sondert das Gras nach ein paar Minuten einen Geruch ab, den der Hund mit seiner guten Nase riechen kann. Also lege ich immer die Fährte aus und gehe anschliessend mit Tatezi noch ein Stück weiter spazieren. So auch diesen Mittwoch. Unterwegs sind uns Bekannte begegnet, Tatezi hat mit Noel, dem Berner Sennenhund, gespielt und wir Frauen haben uns unterhalten. Zwischendurch habe ich sie immer wieder abgerufen und sie ist prompt im gestreckten Galopp zu mir zurückgekommen.

Nur haben wir dann ein bisschen zu intensiv geschwatzt, denn plötzlich waren wir vor der letzten Kurve, hinter der ich die Fährte ausgelegt hatte. Tatezi hat es im selben Moment wie ich realisiert. Ich wollte sie abrufen, doch sie ist abgehauen. Ist quer durchs Feld gerannt und schnurstracks zum Start, zum roten Fähnchen, das am anderen Ende des Feldes war. Ihre Nase tief am Boden hat sie die Fährte aufgenommen und ist ihr über 100 Schritt alleine gefolgt! Ich bin natürlich auch losgerannt, direkt zum Ort des vermuteten Ziels, wo wir dann gleichzeitig angekommen sind. Sollte ich sie nun loben, weil sie die Fährte so gut gelesen hat oder schelten, weil sie abgehauen ist? Ich habe mich neutral verhalten, aber es hat mich trotzdem gefreut, dass sie so ein schlaues Schlitzohr ist und den Start selber gefunden hat.

Wer geht mit wem spazieren?

Sonntag, 18. Oktober 2009

Als Tatezi ein Welpe war, habe ich es genossen, ihre Tollpatschigkeit zu bewundern, wenn sie auf unseren kleinen Spaziergängen vor mit her gezottelt oder um mich herumgerannt ist. Es kam die Zeit, als aus dem runden Fellbündel ein schlaksiges Hundemädchen wurde und ihr Gang erinnerte mich an denjenigen von Menschenkindern, die während der Pubertät manchmal auch nicht wissen, was sie mit ihren überlangen Armen und Beinen anfangen sollen. Und eines Tages war sie plötzlich eine ausgewachsene Hündin, die Stolz erhobenen Hauptes vor mir hertrabte. In dieser Zeit allerdings an der Schleppleine, aber es war doch meist sie, die voraus ging.

Beim Verlassen oder Betreten des Hauses haben wir schon früh geübt, dass sie hinter mir zu gehen hat. Doch auf Spaziergängen? Wohl haben wir das hie und da ein bisschen geübt, aber nie konsequent. Denn was habe ich davon mit einem Hund spazieren zu gehen, der hinter mir hertrabt? Dann könnte ich ja genau so gut alleine durch Feld und Wald ziehen und das stinkt mir gewaltig.

Diesen Sommer habe ich Bücher des amerikanischen Hundeflüsterers Cesar Millan gelesen. Er, der wirklich auffällige, unausgeglichene und aggressive Hunde in treue Begleiter verwandeln kann, hat dafür ein einfaches Erfolgsrezept:

1. Bewegung (der Spaziergang)
2. Disziplin (Regeln und Grenzen)
3. Zuneigung

Und zwar genau in dieser Reihenfolge, wie er immer wieder, einem Mantra gleich, betont. Alles richtig gemacht, könnte ich jetzt frohlocken. Wenn da nicht das Spazieren wäre. Denn laut Millan geht der Rudelführer voran, konsequent, immer. Lasse ich also Tatezi auf unseren Spaziergängen zur Rudelführerin werden? Nur um dann zu Hause wieder Gehorsam von ihr zu erwarten? Verständlich, dass das verwirrend ist. Millan ist überzeugt davon, dass Hunde zufrieden sind, wenn sie genau wissen, wo in der Hierarchie eines Rudels sie stehen. Werden sie im Laufe eines Tages mehrmals vom Chef zum Underdog und umgekehrt, führt das zu Unausgeglichenheit und zu allerlei Problemen im Zusammenleben.

Ich möchte einen ausgeglichenen Hund, dem wohl ist in seiner Haut. Also habe ich ihr zuliebe damit begonnen, auf den Spaziergängen stets voran zu gehen. Sind wir alleine unterwegs, hat sie es relativ schnell kapiert. Mein Ziel ist aber, dass sie dereinst, wenn sie es auch unter schwierigen Umständen (Begegnungen mit anderen Hunden) kann, neben mir wird gehen dürfen. Soweit war alles klar. Bis sie vor 10 Tagen mehrmals erbrochen hat. Mir wurde schlagartig bewusst, dass ich, voraus gehend, nicht sehe, wenn sie unterwegs etwas frisst. Also was jetzt? Wer geht bei Euch mit wem spazieren? Wer ist Rudelführer und sagt wo es durch geht?
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Ein Schritt zurück

Sonntag, 14. Juni 2009

Da habe ich doch hier vor gar nicht langer Zeit geschrieben, und dabei zugegebenermassen eine gewisse Freude empfunden, wir würden die Schleppleine nicht mehr benötigen. Oder zumindest nicht auf den täglichen Spaziergängen. Das war so bis Tatezi letzte Woche einen Fuchs gesehen hat. Sofort hat sie die Verfolgung aufgenommen, so schnell, dass sie wie ein Pfeil durch die Luft geflogen ist. Alles Rufen hat nichts genützt. Ich habe mich umgedreht, bin von ihr weggegangen und habe dabei noch zweimal gepfiffen. Es brauchte eine gewaltige Überwindung, nicht nach ihr zu sehen, einfach darauf zu vertrauen, dass sie kommen würde. Aber was hätte ich auch sonst tun können? Stehen bleiben und unterwürfig auf ihre Rückkehr warten? Sicher nicht! Damit hätte ich sie sie nur in ihrem seit geraumer Zeit wieder bestehenden Versuch die Rolle des Alphatieres zu übernehmen bestätigt. Und ihr nachzurennen in der Hoffnung sie einzufangen, wäre genau so aussichtslos gewesen wie der Versuch einer Dampflokomotive ein Wettrennen gegen einen Hochgeschwindigkeitszug zu gewinnen. Zum Glück ist meine Strategie aufgegangen: nach kurzer Zeit kam sie zurück, total ausser Atem und mit schlechtem Gewissen. Lammfromm ist sie auf dem nach diesem Vorfall angetretenen Rückweg in absolut perfektem „Fuss“ neben mir gegangen.

Zurück zur Schleppleine war der Rat, den ich in der Hundeschule bekommen habe, denn mit ungefähr 2 Jahren würden viele Hunde nochmals versuchen, sich gegen das Diktat der Menschen zu wehren. Ich hatte ursprünglich geglaubt, mit meiner Hündin eine gleichberechtigte Partnerschaft leben zu können. Ich musste mich eines Besseren belehren lassen: im Wolfsrudel gibt es nur ein Alphatier, respektive –pärchen, und jeder ist zufrieden, wenn er weiss, was seine Aufgabe ist. Hunde können ihre Abstammung von Wölfen nicht verleugnen. Sind die Grenzen nicht klar abgesteckt, werden die Regeln nicht eingehalten, sorgt dies für ständige Unsicherheit und damit Stress. Für alle!

Also haben wir uns gefügt und gehen wieder mit Schleppleine spazieren bis Tatezi begriffen hat, dass ICH die Chefin bin, sie auf meinen Ruf hin sofort zurückkommen muss. Seit gestern ist sie läufig, die Schleppleine wäre für die nächsten drei Wochen eh Pflicht gewesen.

Die Macht der Gene

Sonntag, 8. Februar 2009

Australian Shepherd Hunde sind, wie der Name sagt, Hütehunde. Und eigentlich sollten sie Schafe hüten – bloss, ich habe keine Schafe! Zudem hat Tatezi ausgerechnet vor Schafen Angst, seit sie als Welpe in einen elektrischen Zaun einer Schafweide geraten ist. Dafür möchte sie Pferde einfangen, rennt dazu auf sie los und versucht sie in den Schwanz zu beissen. Das heisst, sofern das Pferd mit Reiter daher kommt. Mit Mensch alleine oder Pferd alleine hat sie keine Probleme, bloss in der Kombination bringt es sie fast zum Durchdrehen. Und mich manchmal auch.

Noch schlimmer war es mit Autos. Irgendwie hat sie ihren Hütetrieb von Schafen auf Autos übertragen, weshalb es in der Stadt, bei regem Verkehr, fast nie Probleme gab. Da ist die Herde ja schön beisammen. Begegnete uns aber auf einer Quartierstrasse ein einzelnes Auto, dann wollte sie dieses versprengte, von der Herde abgekommene Vehikel einfangen. Stundenlang haben wir zusammen mit Sonja Doll (siehe Link) und alleine geübt, dabei viele Dutzend Würste verfüttert, erst um sie abzulenken wenn ein Auto vorbeifuhr und später zur Belohnung, wenn sie dieses nicht beachtet hat. Hilfreich war uns bei diesem Training auch das Gentle Leader, ein spezielles Hundehalfter, das den Hund einerseits durch Druck auf Reflexpunkte auf dem Nasenrücken und im Nacken beruhigt und womit er sich andererseits ohne Kraftaufwand führen lässt.
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Einzelne Autos auf Quartierstrassen sind heute kein Problem mehr für uns. Aber dass das Jagen, zum Hüten und nicht zum Töten, unauslöschlich in ihren Genen verankert ist, musste ich diese Woche gleich zweimal feststellen. Das kleine, orange Fahrzeug der Gemeinde, das uns auf einem Waldweg entgegenkam, habe ich lange vor ihr gesehen und sie schnell an die Leine nehmen können. Und da ich darauf gefasst war, habe ich auch ihren Sprung in die Leine auffangen können. Beim zweiten Mal hatten wir weniger Glück, ich habe Reiter und Pferd nicht gesehen und Tatezi hat sie vor mir gehört. So gut sie ansonsten gehorcht wenn ich sie rufe, diesmal hatte ich keine Chance. Tatezi ist auf das Pferd zugerast und hat versucht dieses in den Schwanz und die Beine zu kneifen, so wie sie es eben bei einem verirrten Schaf tun müsste. Das Pferd wurde unruhig und mir Angst und Bange. Zum Glück hat der Reiter mit seiner Gerte leicht auf Tatezi eingeschlagen, so dass sie zurückwich. Vielleicht hat sie dadurch etwas gelernt?


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