Archiv für die Kategorie „Erziehung“

Therapiehundeausbildung ist keine Win-Win-Situation

Sonntag, 1. August 2010

Wenn man gewillt ist viel Zeit und Geld in eine Ausbildung zu stecken und danach ehrenamtlich arbeiten will, darf man dann nicht auch selber einen kleinen Nutzen aus diesem Engagement ziehen? Als Halterin eines Therapiehundes offenbar nicht.

Dass sich Tatezi als Therapiehund eignet, vor allem bei älteren Menschen, ist mir schon lange klar und eigentlich hat sie während unseren Besuchen bei meiner Mutter in der Pflegewohngruppe auch ohne Ausbildung bereits als das gearbeitet. Als meine Mutter gestorben ist, wollte ich deshalb die Ausbildung zur Therapiehündin mit ihr machen. Nun, für den Frühlingskurs waren wir leider zu spät, der hatte gerade in der Woche, als ich mich erkundigt habe, begonnen. Und der Herbstkurs sei auch schon ausgebucht, hiess es, aber da es immer wieder ein paar Abmeldungen gäbe, hätte ich durchaus eine Chance, dann mitzumachen.

Ich bin wohl einfach zu anständig und ehrlich. Denn ich habe den Fehler gemacht der Frau zu sagen, dass ich wirklich froh wäre im Herbst die Ausbildung zu machen, da ich 2011 nach Südamerika reisen wolle. Dass ich auf meiner Reise von Tatezis Ausbildung profitieren könnte, dieser Gedanke ist mir beim Lesen über all die Probleme, die man mit Hunden auf diesem Kontinent hat, gekommen. Hunde sind dort nicht überall willkommen, oder besser gesagt fast nirgends. Hätte sie einen offiziellen Ausweis als Therapiehund, so meine Überlegung, sollte ich sie an den einen oder anderen Ort mitnehmen können, der uns ansonsten verschlossen bleibt. Hätte ich doch bloss nichts davon gesagt! Denn jetzt bekam ich Bescheid, dass unter diesen Umständen Tatezi erst nach unserer Reise die Ausbildung machen könne. Mit der Begründung, wir hätten im ersten Jahr danach nicht mehr genügend Zeit, die mindestens 20 Einsätze zu absolvieren, die ein Therapiehund pro Jahr leisten muss um seinen Ausweis nicht zu verlieren.

Wenn es wirklich sein müsste, hätten wir diese 20 Einsätze schon hingekriegt. Aber hätte man nicht auch sagen können: „OK, Sie werden in ihrem ersten Jahr nur 10 Einsätze leisten, machen Sie dafür im nächsten 30. Oder in den beiden nächsten Jahren je 25.“ Denn ich gehe doch davon aus, dass Tatezi noch lange als Therapiehündin wird arbeiten können. Das wäre eine Win-Win-Win-Situation gewesen, bei der alte Menschen nach unserer Rückkehr von Besuchen profitiert hätten, die Schule hätte eine lernbegierige Hündin ausbilden können und wäre dafür bezahlt worden und wir hätten es auf unserer Reise um einiges leichter gehabt.

Übung

Herumstreunende Kinder

Samstag, 24. Juli 2010

Der Blog dieser Woche erschien am Freitag im Mamablog des Tagesanzeigers.

Hier der Link: Herumstreunende Kinder

Damit dieser Eintrag aber doch noch etwas Farbe bekommt, zwei Bilder:

Am Meer Lustiger Schnappschuss

Wie das Herrchen, so sein Hund

Sonntag, 18. April 2010

Neulich habe ich mit Tatezi während unserem Spaziergang gespielt, ihr den Kong geworfen, den sie mir mit viel Freude zurückgebracht hat. Aus den Augenwinkeln sah ich von weitem schon einen Mann mit seinem Hund daherkommen. Da der Hund in einigem Abstand vor seinem Herrchen hertrabte, nahm ich an, er sei auch nicht an der Leine und spielte weiter mit Tatezi. Und plötzlich war es zu spät. Als ich realisiert habe, dass dieser mir unbekannte Hund angeleint war, hatte ihn auch Tatezi schon gesehen. Super, noch ein Spielgefährte, wird sie sich gedacht haben, ist auf ihn losgestürmt um ihn freudig zu begrüssen, zu beschnuppern und zum Spielen aufzufordern. Ich weiss, ich hätte sie in dieser Situation an die Leine nehmen müssen, und ich hätte dies auch getan, wenn ich vorher gesehen hätte, dass der andere Hund nicht frei war. So verlangt es der Hundehalterknigge und an den halte ich mich. Leider kam Tatezi nicht sofort auf mein Rufen zu mir, was sie sonst immer tut. Aber sie hat weder gebellt, noch geknurrt, auch nicht die Zähne gefletscht und schon gar nicht nach dem etwa gleich gossen, fremden Hund geschnappt. Sie war kaum schwanzwedelnd bei ihm angelangt, als sie auch schon der erste Hieb mit der Leine traf. Mit aller Kraft schlug der Mann immer wieder auf sie ein. Derart malträtiert hat sie nun begonnen zu bellen und ist um den Mann herum gesprungen. Aber immer noch hat meine friedliebende Hündin weder geknurrt noch sonst ein Zeichen von Aggression gezeigt. Mein Rufen hat sie jedoch vollkommen ignoriert, war wohl zu verstört um mich noch zu hören, während der fremde Hund sich zwischen die Beine seines Herrchens verzog. Schliesslich hat der Mann Tatezi am Kragen gepackt, hochgehalten und sie dabei beinahe erwürgt. Ich habe sie schnell an die Leine genommen und bin mit ihr in einen sicheren Abstand zurückgewichen.

Nun bekam ich noch einige verbale Schläge. Auf meine Frage, warum er sich denn so aggressiv verhalten habe, erwiderte mir der Hundehalter, sein Hund sei schon mehrmals von fremden Hunden gebissen worden. Aber doch nicht von Tatezi! Ein Wort gab das andere, bis es mir verleidet war und ich ihm zurief, er solle jetzt endlich verschwinden, damit wir in Frieden unseren Spaziergang fortsetzen könnten.

Von einem friedlichen Spaziergang konnte unter diesen Umständen natürlich nicht mehr die Rede sein. Ich kochte vor Wut. Und ich fragte mich, wer bei diesem Gespann eigentlich gestörter sei, ob Halter oder Hund. Es ist ja nicht normal, dass Hunde ohne Grund immer wieder von Artgenossen gebissen werden. Und andererseits, wenn ich Tatezi an der Leine habe und mir kommt ein unangeleinter Hund entgegen, verlangsame ich mein Tempo oder bleibe gar stehen, um dem fremden Hundehalter Gelegenheit zu geben, seinen Hund an die Leine zu nehmen. Ob sich dieser Mann so immer wieder etwas beweisen muss? Und dadurch sein eigener Hund nur immer noch verstörter wird? Denn sicher hat auch der den einen oder anderen Hieb der Leine abbekommen.

Tatezi entspannt auf einem Spaziergang

Schlafen als Hausaufgabe

Sonntag, 11. April 2010

Wie haben sich Mutters Mitbewohnerinnen, und sie selber natürlich auch, in der Pflegewohngruppe immer gefreut, wenn Tatezi auf Besuch kam! Und meine verschmuste Hündin hat sich noch so gerne von allen streicheln und knuddeln lassen. Besonders Frau V. hat Tatezi ins Herz geschlossen und die Liebe war wohl gegenseitig. Vor ein paar Wochen ist Frau V. unerwartet gestorben. Tatezi hat das gespürt, oder vielleicht hat sie auch einfach die traurige Stimmung der Menschen widergespiegelt. Bei unserer Ankunft war nichts von freudigem Schwanzwedeln zu sehen. Im Gegenteil, Tatezi hat traurig umhergeschaut, ist dann zum Tisch gegangen und hat sich neben dem Stuhl, auf dem Frau V. immer gesessen ist, hingelegt. Das hatte sie zuvor noch nie getan.

Jetzt, wo auch meine Mutter gestorben ist, kann ich mit Tatezi nicht mehr einfach so, ohne Ausbildung, als Therapiehund arbeiten. Im Grunde genommen haben wir das elf Monate lang getan. Wie viele Lächeln haben wir auf Gesichter gezaubert, wie viele gute Erinnerungen wach gerufen. Das ist doch Therapie, besser als jede Psychopharmaka. Darum will ich jetzt mit ihr die Ausbildung zum Therapiehund machen. Leider haben die so genannten Sommerkurse bereits Anfang März begonnen, just als ich mich erkundigt hatte. So besuchen wir jetzt erst einmal einen Vorbereitungskurs. In der Hoffnung, dann die Aufnahmeprüfung für die Ausbildung auch zu bestehen.

Ein Therapiehund muss bedeutend mehr können, als sich einfach gerne streicheln lassen. Er darf keine Angst haben vor Rollstühlen, Gehhilfen und anderen technischen Hilfsmitteln. Plötzliche Schreie von Patienten dürfen ihn ebenso wenig einschüchtern wie ungewohnte Kleidung. Und wenn ihn ein Patient mal nicht so geschickt anfasst, darf er natürlich deswegen weder knurren noch sonst irgendwie Ärger zeigen. Einiges davon ist sich Tatezi bereits gewöhnt, anderes ist für sie ganz neu. Zum Beispiel, dass sie sich auf Befehl auf die Seite legt und sich streicheln lässt. Darum haben wir seit letzter Woche ein neues Kommando, das wir fleissig üben: „schlafen“.

Kommando 'schlafen' (hinlegen)

Schlafen auf Befehl ist gar nicht so einfach

Bin ich eine Tierquälerin?

Sonntag, 21. Februar 2010

Die letzen drei Wochen waren happig. Für Tatezi, aber auch für mich. Die Hormone haben mein Hundemädchen so durcheinander geschüttelt, dass sie nicht mehr wusste wo oben und unten ist. Zu Beginn ihrer Läufigkeit hat sie von morgens bis abends gejammert, leise gewinselt oder vor der Türe lautstark kundgetan, dass sie raus wollte. Sie hat mir zwar Leid getan, aber irgendwie haben wir das durchgestanden. Richtig mühsam wurde es in der zweiten Woche. Auf der Hälfte des Spaziergangs hat sie an der Leine gezerrt, in diese gebissen oder mich besprungen. Auch da konnte ich sie erst noch verstehen. Zum einen war da natürlich der Trieb, die Natur, die ihr Recht zur Fortpflanzung forderte. Und ausserdem lag nochmals frischer Schnee – und sie musste an der langen Leine gehen, durfte nicht Schneeballen hinterher jagen. Aber musste sie sich deshalb immer auf einen Machtkampf mit mir einlassen?

Zu Beginn der Dritten Woche hat sie mich einmal zu oft bespringen wollen. Wir kamen eben von einem langen Spaziergang nach Hause, ich war genervt von ihrer Zickerei und bevor ich mich aus den diversen Schichten Winterkleidung geschält hatte, hat sie es dreimal versucht. Ich habe mir einen kalten Tee eingeschenkt und wollte damit ins Büro, als ich schon wieder von hinten angesprungen wurde. Da habe ich mich blitzschnell umgedreht, „Nein!“ geschrieen und ihr die Tasse Tee angeschüttet! Tatezi sprang rückwärts und schaute mich dermassen verdattert und traurig an, dass mir sogleich windelweich ums Herz wurde und mein schlechtes Gewissen das Ausmass eines Achttausenders annahm.

Seither hat sie mich nicht ein einziges Mal mehr besprungen. Hat zwar noch zweimal dazu Anlauf genommen, aber den Versuch jeweilen sofort abgebrochen. Zur Belohnung, und um sie ein bisschen abzulenken, spielen wir jeden Tag im Haus verstecken. Doch mich quält die Frage: Bin ich eine Tierquälerin, weil ich sie mit einer Tasse kalten Tees begossen habe? Oder ist es ihr gegenüber nicht fair, sie diesem Hormonstress auszusetzen nur weil ich das Gefühl habe, ich wolle ihr ihre Ganzheitlichkeit, ihre Weiblichkeit erhalten?

Spielzeug ist im Teppich versteckt
Der eingerollte Teppich ist ein prima Versteck, aber Tatezi hat das auch schnell kapiert.

Wie geht Ihr damit um, wenn Eure läufigen Hündinnen hormongesteuert aus dem Ruder laufen?


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