Plötzlich waren sie da. Kamen in einem Wahnsinnstempo um die Kurve geschossen. Mir entfuhr ein Schrei, denn wie so oft hing ich auf dem Hundespaziergang meinen Gedanken nach. Und schon waren sie an mir vorbei, Tatezi nichts wie hinter ihnen her. Mir schien, der eine sei der Aussie, den ich im letzen November hier getroffen hatte. Da kam auch schon der Hundehalter angerannt, seine Hunde laut rufend. Ihm ist wohl mein Schrei in die Glieder gefahren und er musste befürchten, seine Hunde hätten jemanden umgerannt. Der Wanderweg über den Klippen ist schmal, ausweichen oft kaum möglich. Josette, der blue merle Aussie, kam auch sofort zurück, ja sie war eigentlich gar nicht weit gerannt. Aber Tatezi und der andere Hund blieben verschwunden.
All unser Rufen nutze nichts, die Hunde kamen nicht. Dabei kann ich sonst Tatezi immer abrufen und sie gehorchte, zumindest in dieser Beziehung, bis jetzt sehr gut. Nach ein paar Minuten kam der schwarze Aussie zurück, doch von Tatezi keine Spur. Mir wurde angst und bange und ich bat den Hundehalter mit seinen zwei Tieren zu warten, während ich den Weg zurück gerannt bin. Als ich auf das freie Feld hinunter kam und meine Hündin nirgends erblickte, schwante mir Böses. Ich hatte den Verdacht, dass sie nach Hause wollte. Doch dazu hätte sie, wäre sie den Weg gegangen den wir immer benutzen, der Strasse entlang laufen müssen. Und sie will doch immer noch hie und da plötzlich in ein Auto rennen! Ich habe mir schier die Seele aus dem Leib geschrieen und musste dabei mit den Tränen kämpfen. Plötzlich habe ich sie gesehen. Sie war tatsächlich auf dem Heimweg, allerdings zum Glück hinter den Häusern durch. Als sie mich endlich gehört hatte, kam sie so schnell sie konnte zu mir gerannt.
Am nächsten Tag wollte sie erst gar nicht auf den Klippenweg. Ich habe mich gefragt, was sie jetzt für eine Macke hätte. Sie blieb auf dem ganzen Spaziergang freiwillig hinter mir und wenn ich sie doch mal voraus schickte, entfernte sie sich nicht mehr als zwei bis drei Meter und schaute sich immer wieder um, ob ich auch wirklich noch da sei. Ihr war wohl auch nicht wohl gewesen, als sie so weit weg war, denn Aussies sind Hütehunde und wollen ihre „Herde“ immer beisammen halten. Vielleicht war das Abenteuer deshalb gar nicht schlecht und sie wird nie mehr wegrennen?
Da habe ich in den vier Jahren, in denen ich mit Tatezi hier her fahre, bisher bloss einmal einen Aussie, Josette, gesehen. Und jetzt erst diese beiden und gestern noch einen ganz süssen, sechsmonatigen Junghund. Es ist das erste Mal, dass ich einen Aussie gesehen habe, der fast die gleiche Farbzeichnung wie Tatezi hat. Und das Schönste ist, alle drei Hunde haben ihre Ruten noch, was in Frankreich eher eine Ausnahme ist.