Kakerlaken im Zimmer, Ratten auf der Strasse

4. Februar 2013 von Christine

Es war warm und regnete fast täglich. Montañita hat sich bei unserem zweiten Besuch nicht von seiner besten Seite gezeigt. Zeitweilen fiel der Regen so heftig, dass die Abflüsse überliefen, das Wasser blieb auf der Strasse und sah so unappetitlich aus, wie es vermutlich auch war. Morgens, meist wenn wir gerade am Frühstücken waren, fuhr ein Lastwagen durch das Städtchen um die Toiletten abzupumpen, eine olfaktorische Fahne hinter sich herziehend. Wenn er weiter fuhr, fielen immer mal wieder ein paar Tröpfchen auf die Strasse. In das lauwarme Wasser. Das muss das reinste Paradies für Bakterien und andere Kleinstlebewesen sein, habe ich mir gedacht. Mir grauste davor, durch diese Brühe zu spazieren. In Sandalen, denn die Turnschuhe wären in diesem feuchtwarmen Klima nie getrocknet. Und mit kurzen Hosen oder Röcken, denn unsere Beine liessen sich einfacher waschen als lange Hosen. Unsere Beine waren jeweilen voller Spritzer, die, oder auch Mückenstiche, haben schon mal gejuckt und wir haben uns darauf hin an der Stelle gekratzt. Und wie oft fährt man sich unbewusst mit der Hand über das Gesicht? Ich, als ehemalige Kinderkrankenschwester, habe mir die schrecklichsten Geschichten um Seuchen zusammengereimt. Als mir Gabi, die im Partystädtchen öfters mal ausgegangen ist, noch erzählt hat, dass nachts und manchmal sogar tagsüber die Ratten aus ihren Löchern kommen, wähnte ich mich punkto Hygiene im Mittelalter.



Tatezi, die Pfützen gar nicht mag, hat es mit Sprüngen geschafft, dass ihre Pfoten fast weiss blieben

Weniger geekelt habe ich mich vor den Kakerlaken, den Grillen und Heuschrecken mit denen wir das Zimmer geteilt haben. Die sieht man wenigstens und kann sie so meiden. Nur hat es mich geärgert, dass offenbar eines dieser Viecher in meinen Rucksack gekrochen ist und sich an einem T-Shirt den Magen voll gefressen hat.

Die Schmerzen haben hier auch Gabi so sehr geplagt, dass sie zeitweise kaum gehen konnte und ich für uns das Essen aus einem Restaurant geholt habe. Wir liessen uns deshalb Eis ins Hostal bringen, mit denen sie ihre Gelenke kühlen konnte:

Auf der Strasse mochte ich in diesem Städtchen nichts essen. Aber wir haben es wieder sehr geschätzt, dass es eine grosse Auswahl an Restaurants mit internationaler Küche hat. Unser absolutes Lieblingslokal war das Kapadokia, wo es mediterrane Spezialitäten und die besten Caipirinhas des Ortes gibt. Leider konnten wir uns nur zweimal diese Köstlichkeiten leisten, unser Budget ist eh schon überstrapaziert. Und zum Abschied schien die Sonne wieder, es war, als sei der ganze Spuk vorbei.




3 Kommentare zu „Kakerlaken im Zimmer, Ratten auf der Strasse“

  1. GZi sagt:

    wie gruselig, liebe Christine!!! Da wäre mir wahrscheinlich auch anders geworden und ich hätte mir verschiedenste Dinge ausgemalt … All dies eklige Kriechgetier ist auch nicht so meine Welt, aber wie Du schon schreibst: da weiß man wenigsten, wo man ansetzen kann und kann zur Not auch konzentrierte Sammelaktionen im Zimmer machen, so dass man immer mal wieder eleminiert…
    Wie lange seid Ihr denn noch unterwegs?

  2. Isabella sagt:

    Hallo Christine,

    das liest sich abenteuerlich – weder Ratten noch das andere Getier wären mein Fall 😉 Mit ein bischen Sonne sieht es aber schon recht freundlich aus. Kaum zu glauben, dass Tatezi fast saubere Pfoten behlaten hat.

    Es tut mir leid, dass Gabi wieder starke Schmerzen hatte – gut, dass Ihr Euch zu helfen wisst.

    Liebe Grüße,
    Isabella

  3. Christine sagt:

    @ Gesa: Mein Rückflugticket ist auf den 21. März ausgestellt. Heute Morgen habe ich allerdings gedacht, es wegen extrem starken Rückenschmerzen nicht mehr so lange auszuhalten. Wir wären dann einfach so schnell wie möglich nach Chile gefahren, wo ich bei einem Anwalt eine Vollmacht für Gabi ausgestellt hätte, damit sie mein Auto verkaufen kann. Jetzt habe ich ein neues Medikament und das scheint besser zu wirken. Mal schauen.

    @ Isabella: Man gewöhnt sich an fast alles 🙂 Und rückblickend können wir schon wieder darüber lachen. Das gehört doch einfach ein bisschen zu einem Abenteuer, und das soll unsere Reise auch sein. Ja, wir sagen immer, Tatezi sei eine Tussi, meinen es aber nicht böse. Sie muss über jede Pfütze springen. Und ist mir natürlich auch Recht so.

    Liebe Gruess Christine


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