Wer versteht die südamerikanische Logik?

30. September 2012 von Christine

Wir haben es tatsächlich geschafft, in Peru einzureisen. Ehrlich gesagt, habe ich ein bisschen daran gezweifelt, dass dies möglich sei, weil ich die hiesige Logik nicht verstehe. Mein in Chile gekauftes Auto war ja während meinem Aufenthalt in der Schweiz in Arica, der nördlichsten Stadt Chiles, stationiert. Von dort sind es nur zirka 15 km bis zur Grenze zu Peru. Aber wir durften von Arica aus nicht nach Peru einreisen. Das sei nicht möglich, mit einem in Chile gekauften Auto, hat man mir auf dem Zollamt erklärt. Wenn ich allerdings nach Bolivien ausreise, dann sei von dort die Einfuhr des Autos nach Peru möglich. Kann mir jemand die Logik dahinter erklären? Mein Auto hat doch nach wie vor chilenische Nummern…

Genau so wenig verstehe ich, warum wir in manchen Hotels nicht akzeptiert werden und in anderen sehr wohl. Und das hat nichts mit der Preisklasse der Unterkunft zu tun. Es gibt sehr einfache Hostales, die sich weigern einen Hund aufzunehmen und zum Beispiel in Puno haben wir in einem absoluten Erstklasshotel ein Bett gefunden. Nachdem ich zweimal durch die ganze Stadt gefahren bin und überall auf Ablehnung gestossen bin, konnte ich es kaum glauben, ausgerechnet im Hotel Casa Andina aufgenommen worden zu sein. Gut, der Preis für diese Nacht lag einiges über meinem Budget, doch ich hatte einfach keine Lust, wiederum in einer der sehr bescheidenen Unterkünfte à la Patacamaya zu nächtigen. Tat das gut, einmal so richtig im Luxus zu schwelgen! Was mich in Puno und auch anderswo gewundert hat, dass ausgerechnet sogenannte „Eco“ Hotels einem Tier gegenüber abweisend sind.

Unterdessen sind wir in Cusco angekommen, wo ich mich von meinem nun schon fast vier Wochen dauernden Durchfall erhole. Habe mir wohl in Bolivien einen bösen „Käfer“ eingefangen, der auch zu meinem Reisekoller geführt hat. Zum Glück hat mich der vom Hotel gerufene Arzt an einen Spezialisten überwiesen, der in den USA studiert hatte. Was bin ich froh, bis hier hin durchgehalten gehabt zu haben. Die Hygienebedingen in der Praxis sind doch ganz anders, als ich sie letztes Jahr in Bolivien kennen gelernt habe. Und so hoffe ich jetzt, die neu verschriebenen Medikamente werden bald helfen. In ein bis zwei Wochen, so hat der Arzt gemeint, sollte ich dann wieder auf dem Damm sein. Da er mir auch vom Autofahren abgeraten hat, halte ich mich jetzt einfach hier in einem sehr sympathischen Hostal still.

Der kleine Innenhof des Hostals Mallqui

6 Kommentare zu „Wer versteht die südamerikanische Logik?“

  1. ChiTac sagt:

    Du meine Güte…
    Dann wünsche ich schnell gute Besserung… Deinen Mut möchte ich haben.
    LG Dani

  2. Isabella sagt:

    Ich lese gerne in Deinem Blog – Deine Berichte sind immer so lebendig und anschaulich geschrieben.
    Es ist schön zu lesen, dass Du jetzt in Peru bist und Dich erholen kannst. Ich hoffe, Dir (und Tatezi) geht es bald wieder besser. Jetzt dauert es ja auch nicht mehr lange, bis Du Deine Tochter triffst – das wird die Gesundung vielleicht auch unterstützen!

    Grüsse aus dem weit entfernten Hessen,

    Isabella mit Damon und Laika

  3. Christine sagt:

    @ ChiTac: weisst Du, wenn man mal in einer schwierigen Situation ist, dann braucht es keinen Mut mehr. Einfach „Augen zu und Durch“ – sprichwörtlich und nicht wörtlich gemeint.

    @ Isabella: Danke für das Kompliment… Ja, ich hoffe, sehr, dass es mir besser gehen wird bis meine Tochter kommen wird. Und weil ich nun halt doch ziemlich schwach bin, bin ich auch erleichtert, dann nciht mehr alles alleine entscheiden zu müssen.

  4. GZi sagt:

    Liebe Christine, es ist toll, wie Du immer wieder trotz aller kleineren und größeren Herausforderungen unbeirrt an deinem Traum festhältst und diese Südamerikareise durchziehst! Ich freue mich mit Dir, dass Du bald wieder Gesellschaft durch deine Tochter bekommst und Ihr wieder ein Stück deiner Reise gemeinsam unternehmen könnt! Bis dahin gute Besserung und Erholung und natürlich eine Megaeinheit Streichler an Tatezi! dass Du an Kilos nichts zuzusetzen hast, ist mir schon klar 😉 pass auf, dass Du nicht gänzlich vom fleische fällst! aber anderen geht es nicht so und ich denke, es ist eine schöne Aufgabe, diese Menschen gesund, bewusst, mit Verstand aber auch mit Spaß und Genuss auf dem Weg in ein leichteres Leben zu begleiten! Sei auf’s Herzlichste gegrüßt und pass gut auf Euch auf!

  5. Christine sagt:

    @Gesa: Liebe Gesa, ja wirklich, das ist eine tolle Sache, die Du da machst! Und ich freue mich mit Dir, dass alles geklappt hat. Bei mir wird es schon wieder werden. Der Arzt hat einfach gemeint, nach so langer Zeit Durchfall brauch ich auch eine gewisse Zeit, um mich wieder zu erholen. Tatezi ist zum Glück ganz geduldig mit mir. Ein super braves Mädchen.

  6. Logik in Südamerika? Damit kommt man hier nicht sehr weit. Hier heisst es einfach: Das muss man eben wissen. Wer’s nicht tut, hat den Schaden oder fällt rein. Ich lebe den grössten Teil meines Lebens in Argentinien. Einmal, vor Jahrzehnten, als die .
    Dresdner Bank noch eine Vertretung in Buenos Aires hatte, wollte ich einmal von dort die Deutsche Bank anrufen, die nur ein para hundert Meter weiter ihr Domizil hatte und auch heute noch hat. Das ging zwar gut. Aber umgekehrt von der Deutschen Bank zur Dresdner Bank, da konnte man nicht telefonieren. Ich gab meiner meiner Verblüffung darüber einer sehr freundlichen Mitarbeiterin der Dresdner Bank Ausdruck. Worauf diese meinte. „Aber Herr Gaebelein, wissen Sie denn nicht?, das ist doch Argentinien“. Und das war’s dann. — Heute lebe ich in Mendoza, einer Stadt mit etwa einer Million Einwohnern. Aber es scheint, sie hat mehr Autos als Einwohner und der Verkehr ist dem enstsprechend mit einem Wort: ein einziges Chaos. Wer Vorfahrt hat, steht zwar auf dem Papier. Aber in der Praxis tut man gut, nicht darauf zu vertrauen. Normaler Weise gilt das Recht des Stärkeren oder: Wer hat das grössere Auto? Einbahnstrassen? Nun, im Zentrum sind sie also noch gekennzeichnt. Aber kommt man ein bisschen weiter raus, dann muss man das eben wissen. Da gib’s oft keine Schilder. Na ja, usw., usw. ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben. Trotzdem hat das Leben hier seine reizenden Seiten.


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