Ein warmer Empfang, eine unfähige Tierärztin und ein hilfsbereiter Taxifahrer

19. August 2012 von Christine

Es war fast wie heimkommen, als wir vorgestern in der Frühe in der Pousada Zilah in São Paulo angekommen sind. Alle haben uns liebevoll begrüsst und auch Tatezi schien sich zu erinnern, dass wir hier schon waren. Da mein Zimmer noch nicht parat war, habe ich mir erst einmal eines der herrlichen Frühstücke mit frisch gepressten Fruchtsäften, Früchten, allerlei kleinen Happen wie Minischinkengipfel, verschiedenen Käsen, drei Sorten Kuchen und was sonst noch gehört gegönnt. Danach gehen wir gleich zur Tierärztin, habe ich mir gedacht, damit ich dann alle Papiere für die Einreise in Chile am Montag habe.

Die Tierärztin war allerdings noch nicht da, ich solle in drei Stunden wieder kommen, wurde mir beschieden. Dann nochmals eine Stunde warten, bis sie endlich aufgetaucht ist. Ich fand das nicht schlimm, ausser mit Tatezi spazieren mochte ich eh nichts Grosses unternehmen an diesem ersten Tag nach dem Nachtflug. Dann war sie endlich da, hat Tatezi genauestens untersucht und das ach so wichtige Zeugnis ausgesellt. Und da hätte ich spätestens skeptisch werden sollen, denn sie hat angegeben, Tatezi sei ein Rüde! Jeder Laie kann eine Hündin von einem Rüden unterscheiden. Doch ich habe es einfach auf Gedankenlosigkeit zurückgeführt, sie korrigiert und bin mit dem Papier zum Taxifahrer gegangen um mit ihm zum Flughafen zu fahren. Denn die Einreisebedingungen für Chile haben sich seit letztem Jahr verschärft. Neu müssen die Dokument zwei Tage vor der Einreise bei der zuständigen Behörde sein, damit sichergestellt ist, dass die Tiere ja keine Flöhe und Würmer mehr haben. Nur hatte die Tierärztin zwar Tatezis Gesundheitsstatus überprüft, aber nicht angegeben, dass sie gegen interne und externe Parasiten behandelt worden ist.

Zum Glück ist Edson, der Taxifahrer, gleich mit mir auf das Amt gekommen, denn dort sprach man nur Portugiesisch, welches ich nicht verstehe. Ein grosses Palaver hat begonnen, aber alles half nichts. Ich musste nochmals zu einem Tierarzt. Inzwischen war es 16.15 und das Amt war bis 17 Uhr geöffnet! Wir sind losgerannt und so schnell wie möglich zum nächsten Tierarzt gefahren. Der war nicht da. Weiter zum nächsten. Es war 16.30. Zuerst sollten wir dort warten, doch Edson gelang es, uns gleich vorzudrängen. Um 16.40 hatten wir das Papier, das die nette Tierärztin auf gut Glauben ausgestellt hatte. Jetzt begann eine Fahrt, die ich so schnell nicht vergessen werde. Ich kam mir vor wie bei einer Verfolgungsjagd aus einem Actionthriller. Edson überholte auf dem Pannenstreifen, jagte dazwischen im Zick-Zick-Kurs von der rechten auf die linke Spur, nur um immer wieder ein bis zwei Autos zu überholen. Als sich ein Stau abzeichnete, fluchten wir in vier Sprachen und riefen alle möglichen Götter um Hilfe an. Es hat genützt. Um 16.59 hielt Edson vor der Eingangstür am Flughafen. Ich nahm Tatezi und rannte so schnell ich konnte zum Amt. Um 16.59 und 58 Sekunden und kurz vor einem Herzinfarkt war ich dort. Ich habe das Papier, das ich am Montag brauchen werde, um mir die Einreisebewilligung abzuholen.

Um 19 Uhr waren wir zurück in der Pousada, ich ging nochmals kurz mit Tatezi um den Block, habe etwas gegessen und bin ins Bett gesunken. Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, die Decke hochgezogen zu haben und bin erst elf Stunden später aufgestanden.


4 Kommentare zu „Ein warmer Empfang, eine unfähige Tierärztin und ein hilfsbereiter Taxifahrer“

  1. Diana sagt:

    Liebe Christine
    PPHHHUUUEEEW! das war knapp -aber gut hast du all deine Kräfte zusammengenommen und gut haben alle guten Geister mitgeholfen. Wünsche Dir und Tatezi in Chile endlich den vollen Genuss von Landschaft und Leuten. Liebe Grüsse aus Zürich! Diana

  2. ChiTac sagt:

    Du meine Güte, was für ein Stress. Gott sei Dank ist alles gut ausgegangen. Viel Spass in Chile!

  3. GZi sagt:

    Wie gut, dass das noch geklappt hat, auch wenn’s knapp war! Und lieben danke für deine Grüße aus Santiago, so weiß ich, dass die Weitereise gut geklappt hat!

  4. Christine sagt:

    @alle: unterdessen sind wir schon in Santiago de Chile, einer Stadt, die uns sehr gut gefällt, denn es hat sehr viele Grünflächen hier. Tatezi kann ihre Geschäfte ohne Stress verrichten und auch ich bin froh, musss ich spät abends nicht mehr lange ein kleines Stückchen Rasen suchen… 🙂


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