Die verlassenen Kinder

7. August 2011 von Christine

Wir sind zurück in Winterthur, alles ist gut gegangen. Meine Reiseversicherung hat mir die Flüge organisiert und dafür gesorgt, dass ich an den Flughäfen mit einem Rollstuhl abgeholt worden bin. Dafür war ich sehr dankbar, denn ich hätte es nicht geschafft, war zu schwach, mit Tatezi, ihrer Box und meinem Gepäck durch all die Gänge zu gehen.

In Sucre wollte ich eigentlich noch von den verlassenen Kindern schreiben, aber dann hat mir die Zeit dazu nicht mehr gereicht. Ich denke oft an sie. Zum Beispiel an den 11-jährigen Yimmy, der als Letzter zu den Kindern im Transformatorenhaus gestossen ist. Yimmy war vier Monate alt, als seine Mutter eine Embolie erlitten hat. 2009 ist sie gestorben und der Vater war total überfordert mit dem Kind, denn er muss täglich zwei Schichten arbeiten, um die Schulden zurückzubezahlen, die durch die lange Krankheit seiner Frau entstanden sind. Er brachte Yimmy zu seiner Mutter, doch die war krank und alt und hat deshalb auf dem Sozialamt um Hilfe gefragt. So kam es, dass Yimmy vor 7 Monaten zu Monika Neff und Susanne Puschke kam. Er ist vielleicht eine Ausnahme, denn sein Vater will, dass er eine gute Ausbildung machen kann. Er hat also zumindest jemanden ausserhalb des Heimes, der sich für ihn engagiert. Und er ist laut Monika sehr fleissig, macht die Aufgaben zuverlässig und bekommt immer gute Noten.

Seit Januar 2008 kümmern sich die beiden Frauen um Kinder, die zum Teil Haarsträubendes erlebt haben. Und bewahren sie so davor, eines Tages ein Strassenkind zu werden. Alleine im Mercado (Markt) von Sucre schlafen Nacht für Nacht rund 800 Kinder, die kein zu Hause haben. Wie kann ein kleines Kind verstehen, dass es von seiner Mutter mit der Bemerkung sie gehe einkaufen zur Grossmutter gebracht wird und dann einfach dort gelassen wird? Später erfährt es, dass die Mutter mit einem anderen Mann eine neue Familie gegründet hat. Doch auch die Grossmutter wollte den Kleinen nicht. Als ihn das Sozialamt bei ihr geholt hat, war er total unterernährt, hat Kartoffelschalen vom Boden gegessen. Oder der andere Knabe, dem der Vater erst den Schädel gebrochen und später die Schulter ausgerenkt hat. Seine Nahrung musste er aus einem Gully essen. Seinen Augen fehlt noch heute oft der Glanz, sie wirkten auf mich manchmal leblos.

Die Schweizerin Monika und die Deutsche Susanne gehören dem christlich-sozialen Missionswerk Tübingen an. Sie beziehen keinen Lohn, niemand bezahlt für sie AHV oder eine Krankenkasse. Sie leben von dem, was Freunde und Verwandte für sie spenden. Der Lebensunterhalt der 9 Kinder und ihr Schulgeld werden mit Patenschaften der Kinder beglichen. Yimmy ist ein wenig traurig, denn er hat als einziges Kind noch keine Patenschaft. Wer sich für eine Patenschaft interessiert, bekommt Auskunft bei TOS Dienste International e.V., Lange Strasse 26, D-04103 Leipzig. Von den monatlich 50 Franken, die eine Patenschaft kostet, gehen 90 % an die Kinder.

1 Kommentar zu „Die verlassenen Kinder“

  1. GZi sagt:

    Liebe Christine, wie schön, dass Du sicher wieder zu hause gelandet bist! ich hoffe, Du kannst Dich nun schnell erholen und wieder gesund werden!
    Ich habe vor vielen Jahren eine Plan-Patenschaft für ein Mädchen aus Südamerika für meinen Serviceclub organisiert aber das Engagement dieser Frauen, von denen Du berichtest ist äußerst beeindruckend!


bloggerei.de blog-webkatalog.de blogwebkatalog.de topblogs.de