Tatezi und die Strassenhunde

25. Juni 2011 von Christine

Eine meiner grössten Ängste im Vorfeld der Reise war gewesen, wie Tatezi und ich mit den Strassenhunden klarkommen würden. Wäre es nicht verboten, ich hätte wohl Pfefferspray zur Abwehr mitgenommen. Als Alternative hatte ich mir überlegt, würde sicher auch Haarspray allfällige vierbeinige Angreifer in die Flucht schlagen. Die Zoologin Sonja Doll hat mir allerdings zu einer anderen, mir eher entsprechenden Methode geraten: stets Leckerchen mitzuführen, die bei Bedarf den Hunden zugeworfen werden könnten. Da Strassenhunde nicht gerade an Fettsucht leiden, würden sie sich lieber über das unerwartete Futter hermachen als meine Hündin zu belästigen und uns bliebe Zeit, uns zu entfernen.

Doch meine diesbezüglichen Sorgen waren, wie viele andere auch, überflüssig gewesen. Sind wir in bewohnten Gegenden unterwegs, wo ich Tatezi an der Leine führe, beobachte ich sie einfach und überlasse meist ihr den Entscheid, wie sie mit den Artgenossen umgehen soll. Strassenhunde kommen selten alleine daher, da kann ich nicht gut von ihr verlangen, dass sie brav „Fuss“ neben mir weiterzottelt, während die fremden Hunde ihr am Hinterteil schnuppern. Kommen uns die Hunde entgegen, bleibt sie erstmals abwartend stehen und gibt oft mit einem Schwanzwedeln zu verstehen, dass sie friedlich gesinnt ist. Nach einem kurzen, gegenseitigen Beschnuppern genügt meist ein von mir deutlich ausgesprochenes „No“ und die Hunde verziehen sich. Sie haben wohl alle schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht. Manchmal jedoch ignoriert sie die Hunde einfach. Ich weiss nicht, ob die ihr gleichgültig sind, oder ob sie ein bisschen Angst vor ihnen hat.

Einmal wurde sie allerdings arg bedrängt, von einem Rüden, der grösser als sie war. Kein Strassenhund, wie am Halsband zu erkennen war. Er wollte sie unbedingt besteigen, hat sie auch gekniffen, was sie mit einem Winseln mitteilte. Da bin ich dazwischen gegangen, habe den Angreifer angeschrien und ihm mit dem Knie gegen den Kopf gestossen bis er sich verzog. Am nächsten Tag kam er wieder, diesmal war Tatezi frei. Sie wollte wohl spielen, er einfach den Macho raushängen. Sie sind über den Strand gerannt, dass der Sand nur so aufstob. Und wenn er sie bedrängte, hat sie sich gewehrt und ihn angeknurrt. Bis er plötzlich aufgab und feige davon schlich. Tapferes Mädchen.

Hunde werden, wie Katzen auch, in Südamerika selten kastriert. Gibt es Nachwuchs, hat mir die Tierärztin in Chile gesagt, wird dieser ertränkt. Nicht viel besser ergeht es den Hunden, die als lebendige Alarmanlage gehalten werden. Oft sind sie in einem winzigen Vorgarten, ohne Schatten, Tag und Nacht eingesperrt und bellen jeden Vorübergehenden an bis sie heiser sind. Ein Hundeleben.

5 Kommentare zu „Tatezi und die Strassenhunde“

  1. GZi sagt:

    Es würde mir das herz brechen, wenn ich soviel tierisches (und natürliches menschliches) Elend sehen müsste… Ich bin so froh, von Dir zu lesen – gerade vor einer Stunde hatte ich um ein Lebenszeichen gebeten – fast eine Woche, so lange hattest Du auf der reise noch keine Blogpause, da hatte ich mir schon Gedanken gemacht. Wie gut, dass alles in ordnung ist! Und ja, Tatezi ist sehr tapfer und mutig und Du auch! Liebe Grüße und Streichler und Knuddler an die Süße!!!

  2. Christine sagt:

    @Gesa: Danke, wir sind wohlauf. Im Rückblick muss ich sagen, das war eher leichtsinnig als mutig von mir, mich mit einem fremden Hund auseinander zu setzten. Aber was tut man nicht alles, um seine Lieben, seien es Menschen oder Tiere, zu beschützen? Wie geht es Herrn Anton? Liebe Grüsse Christine

  3. Tamara sagt:

    Tipp! Da ja Pfefferspray in den meisten Ländern verboten ist, kann man aber auch einfach Habanero mit Wasser mischen und in ein Sprühfläschen oder Wasserspritzpistole füllen. Quelle: http://www.pfefferspray.net

  4. Mara sagt:

    @Tamara: Meinst du das hier: http://www.pfefferspray.info/allgemein/pfefferspray-selbst-herstellen-118.html – ich denke nicht dass ich dieses Risiko eingehen würde 😉

  5. Christine sagt:

    @Tamara und Mara: Danke für den Tipp, aber ich halte es wie Mara und gehe das Risiko lieber nicht ein sondern verlasse mich auf Tatezi.


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