Vier Pesos Strafe bezahlt

22. Februar 2011 von Christine

Mein erster Kontakt mit Patagonien war eher peinlich: weil ich zwei Äpfel dabei hatte, musste ich vier Pesos, zirka einen Franken, bezahlen. Ich weiss nicht, ob die vier Pesos eine Busse waren oder der Vernichtung der Äpfel gedient haben.

Noch nie habe ich so viele Kontrollen passiert wie hier in Argentinien. Aber das hat auch etwas Gutes: das flaue Gefühl im Magen, das sich bei den paar ersten eingestellt hat (bin ja schliesslich, wie hier üblich, auch ein bisschen zu schnell unterwegs), ist gewichen. Man gewöhnt sich an alles. Diesmal aber war es anders. Anstatt von freundlich grüssenden Uniformierten durchgelassen zu werden, sah ich schon von weitem, dass alle Autos angehalten wurden. Die Leute mussten aussteigen und Taschen und Kofferräume öffnen. Als wir näher kamen, sank mir beinahe das Herz in die Hosen. Gross stand da geschrieben, dass die Einfuhr von Früchten, Gemüse, Fleisch und TIEREN nach Patagonien verboten sei! Und wir waren seit drei Wochen bei keinem Tierarzt mehr…

Dann waren wir an der Reihe. Der Kontrolleur hat ziemlich barsch gesagt: „Kofferraum öffnen“. Ich glaube, ich habe gezittert, als ich ausgestiegen bin. Doch ich hatte das Auto noch nicht umrundet, als der Kontrolleur Tatezi gesehen und abgewunken hat. Sie interessierte ihn überhaupt nicht! Offenbar ist nur die Einfuhr von „Nutztieren“ verboten, denn abgebildet waren ein Schaf und ein Huhn. Obwohl ich manchmal zu Tatezi „du dummes Huhn“ sage, bin ich doch froh, ist sie kein Federvieh. Und ganz erleichtert habe ich dem Hüter der patagonischen Agrikultur meinen Reiseproviant gezeigt. Habe das halbe Brötchen, die Würstchen und eben die zwei Äpfel hervorgeholt. Vielleicht musste ich deshalb, weil ich nicht versucht hatte zu schmuggeln, nur vier Pesos bezahlen? Belehrend wurde mir noch ein Flyer in die Hand gedrückt, der darüber Auskunft gibt, dass die Gesundheitsbarrieren die patagonische Landwirtschaft schütze.

Der Adrenalinkick dieser Kontrolle hat noch eine Weile hingehalten. Die Kilometer zogen wie von selbst vorbei. Und plötzlich waren auch keine Lastwagen mehr da. Wir fuhren minutenlang, ohne einem anderen Auto zu begegnen. Wir waren offenbar tatsächlich in der unendlichen Weite Patagoniens angelangt.

3 Kommentare zu „Vier Pesos Strafe bezahlt“

  1. GZi sagt:

    Was für Aufregungen… ich erinnere mich noch sehr gut, als ich 21 jährig mit einem Koffer voller Lebensunterhalt incl. PC nach Spanien gefahren bin, um dort mein Studium zu beginnen… Da war ich auch mit den Nerven zu Fuß…

  2. Erika sagt:

    Was Du aber auch alles erlebst,ja das ist sicher Adrenalin pur. Grüssli

  3. Christine sagt:

    @Erika: oh ja, über fehlende Adrenalinkicks kann ich nicht klagen. Aber das gehört zum Abenteuer, oder?


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