Aller Anfang ist schwer

5. Februar 2011 von Christine

Wir sind schon im Dschungel. Gefangen im Dschungel der Bürokratie. Nach meinen Erfahrungen am Busterminal in Sao Paulo habe ich ja für die Weiterfahrt nichts Gutes erwartet. Aber es kam noch viel schlimmer.

Foz do Igaçu liegt im Dreiländereck Brasilien, Paraguay und Argentinien. Deshalb hatte ich mir überlegt, von hier aus nach Argentinien zu gehen und von dort aus mit irgend einem Bus Richtung Süden zu fahren. Aber wir hatten bei einer Erkundigungsfahrt nach Argentinien keine Chance ein Busticket zu bekommen.

Mein nächster Gedanke war ein Auto zu kaufen, da ich ja hoffentlich einige Monate unterwegs sein werde. Doch wieder spielte mir die Bürokratie einen Streich: Als Ausländerin darf ich mit einem in Argentinien gekauften Auto das Land nicht verlassen! Bleibt als einzige Option für dieses Land ein Auto zu mieten. Mein Reisebudget schmilzt schneller als es Schnee hier tun würde: die Temperaturen bewegen sich zwischen 30 und 40 Grad… Und mein Aufenthalt verlängert sich um drei Tage, da ich über das Wochenende nichts unternehmen kann.

Von enttäuschter und erfüllter Liebe
Natürlich habe ich in Foz do Igaçu nicht nur mit der Bürokratie gekämpft. Ich habe die grossen Wasserfälle, die Cataratas do Iguaçu gesehen, derentwegen wir her gereist sind. Obwohl sie nicht so bekannt sind wie die Niagarafälle, sind sie um einiges imposanter: aus einer Höhe von 40 bis 90 Metern stürzt sich, je nach Jahreszeit über 150 bis 275 Fälle, der Fluss Igaçu. Bei den Niagarafällen stürzt sich das Wasser „nur“ über 47 Meter in die Tiefe.

Und die Sage, die sich um ihre Entstehung rankt, handelt, wie könnte es für ein Südamerikanisches Land anders sein, von Liebe und verschmähter Liebe. Die Indianerin Naipi und M’Boy, Sohn eines Gottes, sollten heiraten. Doch am Tage der Hochzeit floh die junge Frau mit einem Krieger und liess einen wütenden M’Boy zurück. In seiner Enttäuschung vergrub sich dieser in der Erde und löste durch das Anspannen seiner Muskeln gewaltige Erdbewegungen aus. In die dadurch entstandenen Gräben stürzen sich seither die Wasserfälle.

Ganz anders verlief die Liebesgeschichte von Sam und Lina, den Schwiegereltern der Pousadabetreiberin. Die beiden sind seit 55 Jahren verheiratet und immer noch, so hat man den Eindruck, ineinander verliebt. Er, ganz der Gentleman alter Schule, stets sorgfältig gebügeltes Hemd und schwarze Hose tragend, öffnet seiner Lina immer die Autotüre. Sie, eine feine Dame, die ihren Mann immer wieder liebevoll neckt. Ich habe die beiden Einladungen von ihnen zum Mittagessen gerne angenommen, denn mir war wohl in ihrer Gesellschaft. Zum Abschied hat er mir auf einem Zettel ihre Adresse mitgegeben und darunter geschrieben: May The Lord be with you, and keep you always good luck.


6 Kommentare zu „Aller Anfang ist schwer“

  1. Hardy sagt:

    Hallo Schwoscht,
    Ja super! Habe immer gedacht, dies sein eine typisch alemannische Eigenchaft. Der Papiertiger wuetet scheinbar ueberall. Lass Dich nicht runter kriegen. Im schlimmsten Fall mietest Du halt ein Auto, da musst Du jetzt durch. Diese Problem hast Du halt beim Golf spielen nicht!!! Wir haben uebrigens gerade ein Haus in Palm Springs gekauft, heute wird der Vertrag unterschrieben.
    Liebe Gruesse!
    Trix & Hardy

  2. GZi sagt:

    Ich drück Dir fest die Daumen, dass Du diese Widrigkeiten bald überwindest und weitereisen kannst! Die Wasserfälle sind ja ein Traum! Herzlichste Grüße an Dich und Streichler an Tatezi!

  3. Tierfreund sagt:

    andere Länder andere Sitten. Das ist halt eben so. Kopf hoch.

  4. Jacqueline sagt:

    Liebe Christine

    Wenn’s am Anfang harzt, läuft’s später umso besser. Notfalls bleibt noch das Autostoppen. Gerade in ärmeren Weltgegenden ist es vielfach üblich, dass man gegen ein Entgelt mitgenommen wird. Und mit einem „Schutzhund“ solltest Du eigentlich auch nichts zu befürchten haben.

    Alles Gute, Jacqueline

  5. Christine sagt:

    @alle: kann im Moment meine Mails nicht abrufen und deshalb auch den neuen Blog nicht schicken. Mein Webmail funktioniert hier so langsam, dass ich immer wieder rausfalle, bevor das Mail weg ist. Ich bedanke mich einfach mal hier für alle Kommentare und empfangenen Mails.
    Christine

  6. Claudia W. sagt:

    Ich kenne die Probleme mit der Bürokratie. Sie kann einem besonders im Urlaub schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Aber man darf sich davon auf keinen Fall die Laune verderben lassen und muss sich durchkämpfen. Ich wäre daran auch schon einigemale fast verzweifelt, aber ich habe mich durchgebissen und irgendwie hat es immer geklappt.

    Übrigens: Der Blog hier gefällt mir sehr gut. Es ist alles sehr schön und interessant geschrieben. Weiter so!


bloggerei.de blog-webkatalog.de blogwebkatalog.de topblogs.de