Noch eine Polizeigeschichte

4. April 2010 von Christine

Immer wieder bekommt die Polizei mediale Schelte. Keiner anderen Berufsgruppe wird dermassen auf die Finger geschaut, nirgendwo sonst wird der kleinste Fehler gross öffentlich ausgeschlachtet, gute Nachrichten aber totgeschwiegen. Darum hier gleich nochmals eine gute Polizeigeschichte:

Nach einem erfolgreichen Interview in Lausanne genoss ich die abendliche Fahrt mit der Bahn nach Zürich, entspannt einen Krimi lesend, ohne zu ahnen, dass ich bald selber Opfer eines Taschendiebes werden sollte. Die meiste Zeit war ich alleine im Wagen erster Klasse und konnte so ungestört meinem Lieblingshobby frönen. Meine Handtasche hatte ich wie immer zwischen die Wand und meine Beine auf den Boden gestellt, damit sie, so hatte ich gedacht, vor Langfinger sicher sein sollte. Um 23.30 Uhr kam ich in Zürich an, bückt mich – und griff ins Leere. Wie war das möglich? Es hätte ja jemand über meine Beine hinweg die Tasche klauen müssen. Wie ich später erfahren habe, war zu jener Zeit auf dieser Strecke eine Bande unterwegs, die sich vom hinteren Sitz her fremdes Eigentum griff. Da war wohl einer unter dem Sitz durchgekrochen und hat so die Tasche geklaut.

Ich habe den Diebstahl dem Schaffner gemeldet bevor ich auf den Polizeiposten geeilt bin, denn mir blieb nur zirka eine halbe Stunde für die Anzeige, bevor der letzte Zug nach Winterthur fuhr. Personalien angeben, Handy und Kreditkarten sperren lassen und eine provisorische Liste des Tascheninhaltes angeben, dazu reichte die Zeit ganz knapp. Dabei fiel es mir siedend heiss ein: wie komme ich jetzt nach Hause? Denn in der Tasche waren auch mein Bahnbillette und der Schlüsselbund gewesen. Mit dem Autoschlüssel daran. Und in Winterthur stand mein Auto beim Bahnhof, denn um diese Zeit fährt kein Bus mehr. Stand mir jetzt auch noch ein Marsch von fünf Kilometern mitten in der Nacht und unterdessen total müde bevor? Der freundliche Polizist, dem ich meine Sorgen mitgeteilt hatte, griff in seine Tasche und gab mir von seinem privaten Geld 40 Franken für ein Taxi! Auch schrieb er mir auf einer offiziellen Visitenkarte, dass ich bestohlen worden sei und deshalb keinen gültigen Fahrausweis bei mir habe.

Hätte ich damals Tatezi schon gehabt, wäre mir das sicher nicht passiert. Kleintatezi hat sich schon früh als Polizeihund geübt:

Diesen ersten Versuch eines Machtkampfes fanden wir noch lustig und über das erste Loch in der Jeans haben wir gelacht. Es dauerte eine ganze Weile und kostete mich unzählige zerrissene Pullover und Jacken, um ihr das wieder abzugewöhnen.

3 Kommentare zu „Noch eine Polizeigeschichte“

  1. GZi sagt:

    Ach Du Arme! Das ist ja so ärgerlich und so viel Aufwand, all die Papiere wieder zu besorgenoder ist was von Deinen Sachen wieder aufgetaucht? Dem Bild nach zu urteilen scheint es ja doch schon ein paar Jährchen her zu sein, die Geschichte…Aber von der Polizei wirklich sehr nett, Dir den „Freifahrtschein“ und Geld für`s Taxi zu geben…

  2. Christine sagt:

    Liebe Gesa, nur hat mir der „Freifahrtschein“ nichts genützt. Ich kam natürlich an diesem Abend in eine Kontrolle und musste vor eifrig lauschenden Mitfahrern meine Personalien angeben. Peinlich! Um die Busse wegen Fahrens ohne gültigen Fahrausweis zu vermeiden an einem der nächsten Tage mit einem Protokoll der Polizei am Bahnhof vorsprechen und trotzdem einen Unkostenbeitrag bezahlen! Nein, von meinen Sachen ist nichts mehr aufgetaucht. Und es war wirklich sehr viel Arbeit, bis ich alles geregelt hatte. Christine

  3. Linda sagt:

    Ach du schande. Die Rennerei hinter den ganzen Sachen her kann ich mir gut vorstellen. Schön und gut wenn einige Polizisten Verständnis haben, aber wenn man an den falschen gerät, kann man ganz schön Stress bekommen…

    Ich find das Babyfoto oben übrigend total klasse… 😉


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