Warum haben wir bloss Angst vor der Polizei?

28. März 2010 von Christine

Bin ich am Steuer und sehe hinter mir ein Polizeiauto, bin ich nervös wie vor vielen Jahren während der Fahrprüfung und kann mich kaum mehr auf den Verkehr konzentrieren vor lauter Starren auf den Tacho. Höre ich irgendwo eine Sirene, steigt mein Adrenalinspiegel. Und finde ich in der Post einen Briefumschlag mit dem Absender „Polizei…“, kann ich diesen nur mit rasendem Puls öffnen. Dabei bin ich weder ein Verkehrsrowdy, noch eine Drogendealerin die mit zwei Portionen „Gras“ umherreist, auch keine andere Kleinkriminelle und schon gar keine Gewaltverbrecherin oder Terroristin. Im Gegenteil, wir beachten Verbote und Gebote überaus eifrig, sogar solche, die nicht ausdrücklich angezeigt sind, wie hier, wo die Verbotsschilder Hunden das Passieren der Wegstrecke erlaubt hätten, aber Tatezi sich nicht getraute hinter die Abschrankung zu treten:

Zirka alle zwei Jahre finde ich in meiner Post einen Brief mit dem angstauslösenden Absender. Meist weil ich, oder jemand anderes mit meinem Auto, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit um ein bis fünf Stundenkilometer überschritten hatte. Vor ein paar Wochen war es wieder soweit. Noch draussen vor dem Briefkasten riss ich das Couvert auf – und fragte mich, ob ich träume. Denn da stand, ich hätte in Zürich die Parkscheibe nicht hinter die Frontscheibe gelegt, wofür mir Fr. 40.– Busse auferlegt wurden. Nie im Leben war ich mit dem Auto, und auch sonst nicht, in diesem Quartier in Zürich unterwegs gewesen! Aber die aufgeschriebene Autonummer war definitiv meine. Ein Blick in meine Agenda bestätigte mir, dass ich das unmöglich habe sein können, denn zum Zeitpunkt des verkehrswidrigen Verhaltens war ich in der Physiotherapie.

Die 40 Franken hätten mich zwar nicht ruiniert, doch irgendwie widersprach das Bezahlen einer ungerechtfertigten Busse meinem Gerechtigkeitssinn. Also rief ich bei der Polizei an, wo man mir sehr freundlich mitteilte, ich solle den Sachverhalt in einem Brief festhalten und zusammen mit dem Bussenbescheid einschicken. Falls man sich geirrt hätte, möchte ich doch Bitte entschuldigen. Was ich sofort tat, nicht ohne den Bussenbescheid vorher nochmals genauestens zu lesen. Und da sah ich es: ganz klein war die Marke des ohne Parkscheins parkierten Autos als „Fiat“ bezeichnet! Ob sich mein „Golf“ deswegen beleidigt gefühlt hat? Ich schickte den Brief ab und für mich war die Sache erledigt. Kurz darauf war schon wieder so ein Brief in der Post. Das bekannte Procedere begann von neuem: der Puls stieg, die Hände zitterten, etc. Doch auch diesmal fand ich nicht das Erwartete, Befürchtetet, nein, es war ein äusserst freundlich formuliertes Entschuldigunkschreiben der Polizei! Und ich fragte mich, warum ich nur immer eine solche Angst vor der Polizei habe, wo sich diese doch nicht nur korrekt, sondern auch freundlich mir gegenüber verhielt.

2 Kommentare zu „Warum haben wir bloss Angst vor der Polizei?“

  1. GZi sagt:

    Ich kenne das Angstgefühl auch, nur nicht so ausgeprägt. Irgendwie rührt sich wohl immer das schlechte Gewissen, auch wenn man weiß, dass man nichts wirklich Schlimmes getan hat. Aber die Möglichkeit eines unbedachten, unbewussten Moments mag ja vielleicht doch möglich sein…

  2. Markus sagt:

    Naja es gibt ja zwei Gefahrenpunkte: Einerseits kann man selber ja tatsächlich einen Ausrutscher begehen auch wenn’s nicht unbedingt geplant ist, andererseits kann man ja auch zu Unrecht, oder aus politischen Gründen, oder was weiß ich, bestraft werden, und ist denen dann ausgeliefert. Natürlich hat man Angst vor solchen Möglichkeiten !


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