Wird der Hund zum Sündenbock?

19. Juli 2009 von Christine

Diese Woche im Tages-Anzeiger gelesen: „70-Jähriger bodigt Kampfhund“. Es geht in diesem Artikel um die Geschichte des Airdale-Terrier Mike, der von einem American Bulldog im Nacken gepackt und durch seinen Halter aus dessen Fängen befreit wurde. So etwas sollte nicht geschehen. Aber was mich noch viel mehr geängstigt hat, sind all die Kommentare, die auf diesen Artikel hin in der Online-Ausgabe des Tagesanzeigers geschrieben wurden. Da kommt es zu einem Schlagabtausch, als gelte es einen verbalen Boxkampf zu gewinnen. Wo kommt bloss all der Hass her? Hass auf Hunde, Hass auf ihre Halter und Halterinnen, Hass auf Politiker.

Niemand wird mir widersprechen, was im Dezember 2005 in Oberglatt geschehen ist, als drei Hunde den kleinen Süleyman zu Tode gebissen haben, ist sehr tragisch. Seither wird jeder Beissunfall, in den ein so genannter Kampfhund involviert ist, zum auflagefördernden Grossereignis in den Medien hochstilisiert. Die Rufe nach einem Verbot von gewissen Hunderassen werden immer lauter. Ebenfalls 2005 wurden in der Schweiz 5468 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet oder schwer verletzt. Will jemand deshalb die Autos verbieten? Der Vergleich hinkt nicht, denn beim Auto ist es der Mensch, der fährt, und die meisten sind verantwortungsvoll und fahren unfallfrei. Und die meisten Hundehalter- und halterinnen sind verantwortungsbewusst, erziehen ihre Hunde und sorgen dafür, dass sie es gut haben. Leider gibt es Autoraser, die unschuldige Verkehrsteilnehmer verletzten oder töten. Und leider gibt es auch unter den Hundehalter/innen Menschen, die keine Achtung vor dem Lebewesen Hund haben, es schikanieren, bis es sich auf die einzige Art wehrt, die ihm möglich ist: bis es zubeisst. Oder sie richten den Hund gar dazu ab, Menschen anzugreifen.

Ebenfalls diese Woche im Tages-Anzeiger gelesen: „Fast jeder Vierte wurde schon tätlich angegriffen.“ Von Menschen! Und auf der Homepage von Amnestie International steht geschrieben: „Jede dritte Frau wird in ihrem Leben einmal vergewaltigt, geschlagen, zum Sex gezwungen oder auf andere Weise misshandelt.“ Doch darüber regt sich kaum jemand auf. Es ist einfacher, über Hunde herzufalllen. Denn diese können sich nicht wehren.

Und zum Schluss noch ein ganz ketzerischer Gedanke: gewisse Rassen sollen verboten werden. Hatten wir das nicht schon einmal?

PS: Zu diesem Blog gibt es kein Foto von Tatezi. Aber in der Galerie hat es dafür neue Bilder von unseren letzten Ferien.

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