Tatezi, die Trösterin

3. Mai 2009 von Christine

Die letzten zwei Wochen waren hart, für uns alle. Ich habe mich dazu entschliessen müssen für meine Mutter, die bis anhin bei mir gewohnt hatte, einen Pflegeplatz zu suchen. Ich habe die täglich 24 Stunden Präsenz nicht mehr geschafft. Ihre nächtlichen Albträume, die auch mich aus dem Schlaf gerissen haben. Ihre zeitweise Verwirrtheit und ihre Halluzinationen. Die Angst, wenn ich vom Hundespaziergang nach Hause komme, wäre sie wieder weg und würde irgendwo herumirren. Doch noch nie fiel es mir derart schwer etwas auszusprechen wie den Satz: „Mam, ich kann nicht mehr, wir suchen dir ein Plätzchen.“ Für Mutter fiel eine Welt zusammen und ihre Tränen haben mein schlechtes Gewissen ins uferlose geschwemmt.

Tatezi, die schon immer ganz besonders liebevoll mit meiner Mutter umgegangen ist, auch als Welpe nie an ihr hochgesprungen ist, hat sich noch mehr an sie geschmiegt als üblich. Kaum waren wir bei ihr, ist sie zu Mutter aufs Bett gesprungen und hat ihr Hände oder Arme abgeleckt. Wäre Tatezi ein Mensch, würde man wohl sagen, sie ist so verständnisvoll. Denn auch sie kam in diesen zwei Wochen zu kurz: ihre Spaziergänge musste ich auf das Minimum reduzieren, weil das Suchen eines Pflegeplatzes enorm viel Zeit frisst. Und selbst wenn wir zusammen durch Wiesen und Wald unterwegs waren, sind meine Gedanken nicht bei ihr gewesen, haben mein schlechtes Gewissen und das Gefühl versagt zu haben mich vom Spiel mit meiner Hündin abgelenkt.

Wir haben Glück gehabt und ein Zimmer in einer sehr sympathischen Pflegewohngruppe gefunden. Und so konnten wir schon diese Woche umziehen. Ich weiss nicht was Tatezi wahrgenommen hat, aber an diesem Tag hat sie sich abends vor die Türe, die zu Mutters Wohneinheit geführt hat, gelegt und leise gewinselt. Das hat sie noch nie getan, obwohl Mutter auch schon für Ferien weg gewesen ist. Ja, und jetzt haben wir, wie es mir scheint seit langer, langer Zeit, endlich wieder einen Spaziergang genossen. Sind weit zusammen gewandert, haben gespielt und für die Hundeschule geübt.

1 Kommentar zu „Tatezi, die Trösterin“

  1. Waldacker sagt:

    Liebe Christine,
    eben erst habe ich Deinen letzten Eintrag gelesen, er hat mich sehr berührt. Ja was geht wohl so in einer Hundeseele vor. Ich denke, dass sie viel mehr fühlen als wir Menschen glauben.
    Boss, der Berner, der mich oft zu meiner 96jährigen Mutter ins Altersheim begleitet, hat sich beim letzten Besuch an meine Mutter gedrängt, weil sie weinte und klagte kein zu Hause mehr zu haben. Er hat es wohl verstanden und wollte sie mit seiner Nähe und Pfoten geben trösten.
    Vreni


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