Auf der Pflegestation

22. März 2009 von Christine

Vielleicht machen Tatezi und ich zusammen die Therapiehundeausbildung. Dass sie sich bestens dazu eignet, sehe ich bei Besuchen meiner betagten Mutter, die sich nach einem Spitalaufenthalt auf einer Übergangsstation erholt. Wenn wir sie zusammen besuchen, erscheint nicht nur auf Mutters Gesicht ein Lächeln. Da ist der Mann, der immer apathisch im Rollstuhl sitzt, den Kopf auf die Brust gesenkt und die Augen geschlossen. Von einer Pflegerin auf Tatezi aufmerksam gemacht, hat er die Augen geöffnet und sie gestreichelt. Oder der andere Patient, dessen trauriger Blick von seiner Einsamkeit spricht und der bei ihrem Anblick zu erzählen beginnt, sich mit strahlenden Augen an seine beiden Hunde erinnert. Er hat Mühe mit sprechen, ist kaum zu verstehen, und ich muss das meiste erraten. Verstanden habe ich nur, dass er von seinen beiden Hunden erzählte. Was er mit ihnen erlebt hat, blieb unverständlich. Doch in seiner Erinnerung sind offenbar gute Bilder aufgetaucht und das ist die Hauptsache. Es ist, als würde Tatezi sein Elend spüren, denn sie drückt sich jedes Mal ganz eng an ihn und lässt sich streicheln. Da sie eine ganz verschmuste Hundedame ist, geniesst sie all die Streicheleinheiten selber auch und es tut gut, das in mitten all der Traurigkeit zu sehen.

Wenn ich daran denke, dass uns eine mögliche Ausbildung zur Therapiehündin fast verunmöglicht wurde, werde ich noch heute wütend. Tatezi war erst ganz kurz bei uns, noch ein richtiges Hundebaby, als wir eines der ganz wenigen unerfreulichen Erlebnisse hatten. Wir hatten es uns zum Picknick an der Töss gemütlich gemacht, Gabi sonnte sich im Bikini, ihr Hund Wuschi und Tatezi spielten und ich las. Plötzlich war er da, der alte Mann, der meine Tochter mit den Augen begrabschte und als ich ihn entdeckte mit seinen Wanderstöcken herumfuchtelnd weiterging. Tatezi fand das lustig, nahm die Aufforderung zum Spiel an und rannte zu ihm. Ich sah, wie der Mann den Stock hoch erhob, bereit, ihn auf Tatezi niedersausen zu lassen und habe einen Sprung hingelegt, der in jedem Actionfilm als Stunt hätte dienen können, um Tatezi vor dem Schlag zu retten. Sie hat mich bloss ein bisschen verdutzt angeguckt, aber geschehen ist ihr nichts. Und mir ging durch den Kopf, dass wir in zweifacher Hinsicht Glück gehabt hatten: keine Verletzung und sie hat keine schlechte Erfahrung mit Stöcken gemacht. Ein Therapiehund, der Angst vor Gehhilfen hat, wäre kaum einsatzfähig.

1 Kommentar zu „Auf der Pflegestation“

  1. Blue Rose sagt:

    Ich hoffe für euch beide, dass das klappt. Ich würde meine Sheltiehündin auch gerne als Therapiehund ausbilden lassen, aber sie hat Angst vor Kindern seit ein kleiner Junge einen Teddybear nach ihr geworfen hat. Viel Glück!!

    LG

    http:/meinjournal.wordpress.com


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